Nazi-Kehraus in Freilassing

Freilassing, die kleine deutsche Grenzstadt in der Nähe von Salzburg, ist seit September einer der Brennpunkte der Flüchtlingswanderung. Seitdem der internationale Zugverkehr quasi über Nacht unterbrochen wurde, müssen Tausende Flüchtlinge dort erstversorgt werden. Die 16.000 EinwohnerInnen zählende Stadt ist deshalb immer wieder Schauplatz von Nazi-Demonstrationen, zu denen es auch starken Gegenprotest gibt.

Mit Kehrbesen den braunen Dreck wegfegen

Ende Februar hat das Bündnis Freilassing setzt Zeichen als Protest gegen eine weitere Nazi-Demo öffentlich zu einer Säuberungsaktion aufgerufen. Die Parolen und das Gedankengut der Nazis, die überregional und international mobilisiert haben, sollte so schnell wie möglich wieder raus aus der Stadt Freilassing.

Deshalb startete die angemeldete Kundgebung „Kehraus“, um den Versammlungsplatz und die Strecke symbolisch mit Besen vom braunen Dreck zu befreien. Etwa 50 TeilnehmerInnen war das Ziel, 250 sind dann tatsächlich gekommen, darunter auch ein Fernsehteam des Bayerischen Rundfunks. Die TeilnehmerInnen waren bunt gewandet, hatten Plakate und vor allem Besen bei sich und sind so den Nazis hinterher gezogen und haben – begleitet durch Musik – ihren Dreck wieder weggefegt.

 Fotos von Wolfgang Fieweger.

Was habt ihr mit Eurer Aktion erreicht?

Auf die Frage antwortet Bernhard Zimmer vom Kreisverband Berchtesgadener Land:

  • Die Aktion war angemeldet, die Zusammenarbeit mit den Behörden und der Polizei verlieft gut, weil wir einen sehr offenen Dialog mit den Sicherheitskräften geführt haben und uns klar von Gewalt bereiten Gruppen distanziert haben. Die Gruppe gewaltbereiter Linker (schwarz gekleidet und ohne Besen) waren zwar wieder da, aber sie wurden nicht als Teil der Kehr-Aktion wahrgenommen.
  • Bislang ist es den Nazis nicht gelungen, in Freilassing nennenswert viele MitläuferInnen zu mobilisieren. Im Gegenteil: demonstrierende Nazis mussten von weit her aus Österreich und der Schweiz rekrutiert werden.
  • Wir haben ein sehr entspanntes Verhältnis zum Landratsamt und zu den Sicherheitskräften aufgebaut,  die derzeit personell stark gefordert sind. Ein fairer Umgang mit den Sicherheitskräften erleichtert die Planung von Aktionen ungemein.
  • Parteipolitisch aktiv sind derzeit vor Ort nur wir Grüne sowie ein fleißiger Vertreter der Jusos. Wir sehen aber, dass wir langfristig gesehen das Richtige tun, nämlich pragmatische Aktionen durchzuführen, die niemand ablehnen kann und jegliches „Schubladen-Denken“ behindern.
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