Bayerische Bäuerinnen erzählen

Am 29. Juli fand der Auftakt zur Grünen Höfe Tour von Sigi Hagl unter dem Motto „Bayerische Bäuerinnen erzählen“ im Bezirk Schwaben statt.
Zusammen mit der Bundesvorsitzenden Simone Peter, die ihrerseits gerade auf Hoftour ist, und einer grünen Delegation aus dem Kreis- und Bezirksverband besuchte die Landesvorsitzende den Bioland-Hof Moirhof in Gersthofen bei Augsburg. Nach einer interessanten Hofführung durch die Bäuerin Katharina Mayer fanden sich alle zu einer Gesprächsrunde zusammen.

Das Ziel dieser speziellen Hoftour ist: Zuhören, was Bäuerinnen zu berichten haben, um einen weiblichen Blick auf die Landwirtschaft und das Leben und Arbeiten der Bäuerinnen zu gewinnen und die Landwirtschaft in Bayern auch aus frauenpolitischer Perspektive zu betrachten.

Warum sind Sie Bäuerin?

Die anwesenden Bäuerinnen, alle Managerinnen eines Familienbetriebs, erzählten in der von der Frauenreferentin Ina Machold moderierten Diskussion von ihren Motiven, Bäuerin zu sein und der mangelnden gesellschaftlichen Anerkennung dieser Tätigkeit. Frau Mayer ist zum Beispiel Bäuerin auf einem vielfältigen Biohof, weil sie nur so selbstbestimmt handeln kann, was in einem industrialisierten Betrieb nicht mehr möglich ist. Und sie schätzt den emotionalen Kontakt zu ihren Tieren – Rinder, Schweine, Schafe, Hühner -, die die gelernte Tierärztin, wenn die Auflagen es zuließen, alle selbst schlachten würde.

Die fehlende Anerkennung zeigt sich zum Beispiel beim Elterngeld: Frau Mayer fühlt sich ungerecht behandelt, weil sie für die Betreuung ihrer zwei Kinder gerade mal 500 Euro bekommt. „Dass ich als Bäuerin weiter auf dem Hof arbeite, ist im System nicht vorgesehen.“

Welche Aufgaben erfüllen die Bäuerinnen am Hof?

Zur Frage der vielfältigen Aufgaben, die eine Bäuerin täglich zu bewältigen hat, beschrieb die Bäuerin Hildegard Deisenhofer eindrücklich, wie ein typischer Tagesablauf einer Bäuerin aussieht: Aufstehen, Kinder zur Schule bringen, Einkaufen auf dem Rückweg und dann schnell in den Stall. Danach schnell kochen, die Kinder abholen und Gespräche führen und schon ist auch wieder Zeit für die Stallarbeit. Wenn die Kinder nach dem Abendessen im Bett sind, fallen noch ein paar Stunden Büroarbeit und Haushalt an. Freizeit, Wochenende und Urlaub sind kaum möglich.

Diese Mehrfachbelastung ist typisch für das Leben als Bäuerin und zeigt, dass sie die eigentlichen Managerinnen auf vielen Höfen sind, wenn auch nach außen hauptsächlich die Bauern sichtbar sind. Die Bäuerinnen sind es, die alles „am Laufen“ halten, dafür sorgen, dass alle auf dem Hof versorgt, alle Rechnungen bezahlt und die KundInnen zufrieden sind.

Ein Mittel, mit dem die Mehrfachbelastung deutlich reduziert werden könnte, ist der Abbau von Bürokratie. Denn die Büroarbeit liegt häufig in Frauenhänden und nimmt bei den anwesenden Bäuerinnen zwischen acht und 25 Stunden pro Woche in Anspruch. Die Notwendigkeit des Bürokratieabbaus bestärkte auch Anni Fries, die schwäbische Bezirksbäuerin des Bauernverbands.

Und die VerbraucherInnen?

Darin war sich die gesamte Runde einig: der Kontakt der Bäuerinnen und Bauern zu den VerbraucherInnen ist elementar wichtig. Nicht nur im Rahmen von Selbstvermarktungsstrategien, sondern auch, um die Menschen zu informieren. Darüber, wie gesunde Lebensmittel entstehen, welche Arbeit dafür nötig ist und wie alles miteinander zusammenhängt: die Umwelt, die Tierhaltung, die Kaufentscheidung, das ganze System Landwirtschaft.

Sigi Hagl Fazit nach dem ersten Termin:

Kleinbäuerliche Strukturen sind wichtig für Bayern. Sie bewahren unsere Kulturlandschaft und stellen die gute Qualität unserer Lebensmittel sicher. Und die Frauen sind darin die tragende Kraft, das haben wir heute erfahren.