Bildung in der Einwanderungsgesellschaft – besser für alle!

Die Würde aller Menschen, die persönliche Freiheit, die Gleichberechtigung der
Geschlechter, Rechtsstaatlichkeit, gegenseitiger Respekt, das Ermöglichen von
Vielfalt, für die Mitmenschen sorgen und füreinander eintreten – das gehört zum
Wertekern unserer freiheitlich-demokratischen, modernen und offenen
Gesellschaft. Damit berührt die Frage nach der Integration von Menschen, die
ihre Heimat verlassen haben – oft verlassen mussten – nicht nur jede*n von uns
persönlich im Innersten sondern sie stellt auch den Wertekern der gesamten
bayerischen Gesellschaft auf die Realitäts-Probe. Für uns ist klar: Wir sagen JA
zu unserer humanitären und politischen Verantwortung gegenüber jenen, die
gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen und wir sagen JA zu einer bunten und
vielfältigen Gesellschaft in Bayern, weil wir Teil einer globalisierten Welt
sind, in der Ein- und Auswanderung selbstverständlich dazu gehören.

Wir brauchen eine aktiv gestaltende und auf Dauer angelegte Einwanderungs- und
Integrationspolitik, die sich der Dimension dieser Herausforderung bewusst ist,
die notwendigen Strukturen und Institutionen schafft, die erforderlichen
finanziellen Mittel zur Verfügung stellt und die darauf ausgerichtet ist, dass
Geflüchtete und Zugewanderte nicht nur das Objekt von Hilfe sind, sondern sich
aus eigener Kraft um ihr Leben kümmern und unsere gemeinsame Heimat mitgestalten
wollen.

Heimisch werden heißt, die Chance zur Teilhabe an den öffentlichen Gütern des
Landes zu haben, gleichberechtigt an Bildung, Arbeit, sozialer Sicherheit,
Demokratie und Kultur partizipieren zu können. Es heißt aber auch, menschliche
Sicherheit und Beheimatung zu erfahren, was über die politische Sphäre
hinausgehende Aufgabe aller in einer Zivilgesellschaft ist.

Wir erleben, dass viele Geflüchtete nach Deutschland und Bayern gekommen sind –
und weiterhin kommen werden – und viele Menschen sie willkommen heißen. Die
Frage, ob unsere Gesellschaft ihre Türen wirklich aufmacht, ist eine ganz
andere. Viele Menschen sagen zwar, sie würden keine Unterschiede nach Hautfarbe,
Nationalität, Schicht und Milieu machen. Die Lebenspraxis aber sieht oft anders
aus. So wählen Eltern für ihre Kinder häufig Schulen mit möglichst geringem
Migrationsanteil und meiden Wohnviertel mit sozialen Brennpunkten.

Für uns Grüne ist klar: Der Schlüssel zu gelingender Integration liegt in der
Bildung. Sie ist der Kitt, der unsere Gesellschaft auch in Zukunft zusammenhält.
Dabei steht sie vor einer doppelten Herausforderung:

  • Zum einen muss sie auf allen Ebenen ermöglichen, dass jene, die bei uns
    eine neue Heimat suchen, die hierfür erforderlichen Kompetenzen erlernen.
  • Zum anderen ist es mehr denn je zur Aufgabe der Bildungspolitik geworden,
    die Verankerung des Wertekerns unserer demokratischen offenen Gesellschaft
    im Denken und Handeln aller Bürgerinnen und Bürger Bayerns zu stärken.

Bildung ist ein grenzenloses Kinderrecht

Alle Kinder und Jugendlichen haben ein Recht auf Bildung – das gilt für Kinder,
die hier aufgewachsen sind, genauso wie für Kinder, die nach Bayern kommen. Und
das gilt unabhängig vom Aufenthaltsstatus und von der sogenannten
Bleibeperspektive. Jeder Mensch soll die Voraussetzung dafür bekommen,
selbstständig zu leben, Verantwortung zu übernehmen und an der Gesellschaft
teilhaben zu können. Wir Grüne setzen uns dafür ein, dass in der komplexen Welt
von heute alle Kinder stark gemacht werden und allen Kindern eine gute Bildung
und gleiche Bildungschancen zukommen. Deshalb darf auch die Förderung der einen
nicht gegen die der anderen ausgespielt werden.

Doch der Bildungserfolg ist in Bayern nach wie vor sehr von der Herkunft
bestimmt: von der sozialen Herkunft, vom Bildungshintergrund der Eltern, von der
regionalen Herkunft und dem Migrationshintergrund. Mit dem sog.
Integrationsgesetz wird das Bildungsrecht je nach Aufenthaltsort und
Aufenthaltsstatus der Kinder weiter eingeschränkt. Im Gegensatz zur CSU stellen
wir klar: Die Schulpflicht und damit das Kinderrecht auf Bildung darf durch
nichts eingeschränkt oder in Frage gestellt werden.

Bildungsoffensive für mehr Gerechtigkeit in Bayern

Grüne Bildungspolitik wirkt der Benachteiligung aufgrund sozialer und regionaler
Herkunft entschieden entgegen. Wir wollen Bayern zu einem Land der
Bildungsgerechtigkeit, der Teilhabe für Alle und der Integration machen. Dies
umfasst frühkindliche, schulische, berufliche, hochschulische und
Erwachsenbildung.

Je früher Integration beginnt, umso besser kann sie gelingen. Es besteht
Einigkeit, dass frühkindliche Bildung und Sprachförderung die besten Grundlagen
für einen späteren Bildungserfolg in der Schule sind. Für Kinder, die zu Hause
wenig oder gar kein Deutsch sprechen, ist es besonders wichtig, einen
Kindergarten oder eine Kindertagesstätte zu besuchen. Unter Gleichaltrigen
erlernen sie sehr schnell die deutsche Sprache, knüpfen Kontakte und finden
Zugang zu ihrer neuen Umgebung. Ihre Bildungschancen werden verbessert. Deshalb
müssen Flüchtlingskinder genau denselben umfassenden Rechtsanspruch auf einen
Kita- beziehungsweise Kindergartenplatz wie einheimische Kinder haben.

Den Schulen kommt bei der Integration in mehrfacher Hinsicht eine Schlüsselrolle
zu: Sie sind die zentralen Orte der Begegnung, ermöglichen das Hineinwachsen in
die Gesellschaft und bieten die Basis für berufliche Chancen und Teilhabe.
Deshalb sollen unsere Schulen Vorbilder sein für eine vielfältige Gesellschaft.
Sie müssen in die Lage gebracht werden, mit Ein- und Auswanderung gut umzugehen.
Wir brauchen deshalb eine Struktur im Schulsystem, die auf Seiteneinstieg,
kulturelle Vielfalt, Sprachförderung und Sprachbildung in der
Einwanderungsgesellschaft vorbereitet ist und flexibel reagieren kann.

  • Die Potenziale der Kinder und Jugendlichen, die neu nach Bayern kommen,
    müssen früh erkannt und gezielt gefördert werden, um eine erfolgreiche
    Integration in das Bildungssystem und in den Arbeitsmarkt zu erleichtern.
    Wir fordern den Aufbau eines systematischen Bildungsclearings, denn dies
    kann von den Lehrer*innen nicht alleine geleistet werden.
  • Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Unsere Maxime lautet: Schnelles
    und intensives Deutschlernen ermöglichen ohne die soziale Integration zu
    vernachlässige Kinder müssen so schnell wie möglich in Regelklassen integriert werden. Hier brauchen sie unterstützend Deutschunterricht als Lernbegleitung.
  • Wir fordern eine konzeptionelle Entwicklung und Umsetzung von
    alltagsintegrierter Sprachbildung und Sprachförderung sowie die Förderung
    von Kindern mit erhöhtem Sprachförderbedarf in Kitas und Kindergärten. Die
    dafür notwendige Personalausstattung ist sicherzustellen.
  • Integration von Kindern mit Migrationshintergrund ist Aufgabe aller
    An allen weiterführenden Schulen müssen daher neu zugewanderte
    Kinder und Jugendliche ohne bzw. mit geringen Deutschkenntnissen
    aufgenommen und individuell gefördert werden. Ob in den Übergangsklassen
    oder bei Besuch der Regelklasse gilt von Beginn an: intensive
    Deutschförderung und Eingliederung in die Klassengemeinschaft müssen Hand
    in Hand gehen.
  • Die Bildungs- und Berufssprache Deutsch muss über den Anfangsunterricht
    hinaus für alle Kinder und Jugendlichen systematisch durch Unterricht in
    Deutsch als Zweitsprache und sprachsensiblen Unterricht in allen Fächern
    und über Jahre gefördert werden.
  • Wir wollen die Fähigkeiten der jungen Menschen in ihrer Herkunftssprache
    anerkennen und fördern. In der globalisierten Welt wird Mehrsprachigkeit
    immer wichtiger. Die obligatorische Anerkennung der Herkunftssprache als
    zweite Fremdsprache muss verbindlich für alle geregelt werden. Dafür
    müssen die notwendigen Strukturen geschaffen werden.
  • Lehrkräfte müssen professionell mit einem hohen Maß an
    Verschiedenartigkeit der Kinder umgehen können: mit Begabungs- und
    Entwicklungsdifferenzen, mit körperlichen und seelischen
    Beeinträchtigungen, mit unterschiedlichen Migrationsgeschichten und mit
    individuellen familiären Grundlagen. Wir wollen sie bei ihrem
    Kompetenzaufbau mit gezielter Aus- und Fortbildung stärken. Zudem brauchen
    Lehrkräfte neben Ressourcen und Kapazitäten neue und innovative Methoden
    und Didaktikmodelle, wie z.B. Lehrer-Tandems und multiprofessionelle
  • Insbesondere gebundener aber auch offener Ganztagsunterricht ist eine
    große Chance gerade auch für Kinder mit Migrationshintergrund. Er bietet
    Raum und Zeit für die erforderliche individuelle fachliche, sprachliche
    und kulturelle Förderung, weil sich die Schüler*innen den ganzen Tag in
    einem deutschsprachigen „Lernraum“ bewegen. Unser Ziel ist eine qualitativ
    hochwertige Ganztagschule für alle.
  • Wir wollen längeres gemeinsames Lernen, weil das jetzige
    „Grundschulabitur“ für entwicklungsverzögerte und eingeschränkte Schüler*innen ebenso wie für Kinder mit Migrationshintergrund eine besonders hohe Hürde darstellt.
  • Erfolgreiche Integration ist eine Daueraufgabe: Sie braucht verlässliche
    Strukturen sowie eine dauerhaft gesicherte Finanzierung. Die jetzt im
    Rahmen des Flüchtlingspakets geschaffenen Stellen müssen zu Planstellen
    Schlüssellehrkräfte für Deutsch als Zweitsprache brauchen
    dauerhafte und angemessen entlohnte Arbeitsverhältnisse.

In dem Maße, in dem wir unsere Kindergärten und Schulen fit machen für die
Einwanderungsgesellschaft, wird sich unser Schulsystem zum Vorteil aller
Schülerinnen und Schüler verändern: Im Mittelpunkt aller Bemühungen wird die
individuelle Förderung stehen und nicht mehr die Verteilung der Kinder auf
einzelne Schularten.

Gut ankommen in Ausbildung und Arbeit

Arbeit ist entscheidender Bestandteil einer erfolgreichen Integration. Viele
Geflüchtete suchen verzweifelt Arbeit, viele Unternehmen händeringend
Fachkräfte.

Die Herausforderungen sind immens. Zwar sind die meisten Geflüchteten in der
Altersgruppe der 20- bis 30-Jährigen. Aber: Viele beherrschen die deutsche Sprache nicht, eine relevante Anzahl hat keinen oder keinen nachgewiesenen Schulabschluss, manche sind Analphabeten. Fehlende Deutschkenntnisse sind vielfach der entscheidende Engpass
bei der Hinführung zum Arbeitsmarkt. Gleichwohl bringen Zuwanderer*innen viele
wertvolle berufliche Kompetenzen mit – und großen Willen. Doch mitgebrachte
berufliche Qualifikationen und Fähigkeiten werden nicht flächendeckend erhoben
und bleiben folglich oft ungenutzt.

Umso wichtiger ist es deshalb, dass junge Geflüchtete von Beginn an auf ihrem
Weg in Betrieb und Berufsschule beraten und unterstützt werden. Die von uns
geforderte Ausbildungsgarantie muss selbstverständlich auch für junge
Geflüchtete gelten. Denn von einer schnellen und umfassenden Integration
profitieren nicht nur die jungen Geflüchteten selbst, sondern auch die
Gesellschaft. Seit Jahren klagt die Wirtschaft über fehlende Fachkräfte,
zahlreiche Unternehmen haben zunehmend Schwierigkeiten ihre Lehrstellen zu
besetzen. Unternehmer*innen sehen daher eine große Chance darin, Geflüchtete und
Asylbewerber*innen auszubilden. Damit die Ausbildung von Geflüchteten aber
tatsächlich gelingt, benötigen beide Seiten – Jugendliche und Betriebe – neben
einer sicheren Aufenthaltserlaubnis dringend mehr fachliche und
sozialpädagogische Unterstützung vor und während der Ausbildung.

Wir wollen, dass Geflüchtete eine Ausbildungsperspektive bekommen und möglichst
frühzeitig in den Arbeitsmarkt integriert werden. Wer in Bayern schon nach
kurzer Zeit eine Ausbildung aufnehmen kann, muss dabei auch von Beginn an
angemessen unterstützt werden – unabhängig von Aufenthaltsstatus und
Bleibeperspektive. Die Ausbildung von jungen Menschen darf in Zukunft nicht mehr
an aufenthalts- oder sozialrechtlichen Hürden oder an einer unterschiedlichen
Verwaltungspraxis scheitern.

  • Mit dem von den bayerischen IHKs entwickelten „Modell 3+2“ könnten mehr
    Unternehmen für die Ausbildung junger Geflüchteter gewonnen werden. Wir
    wollen deshalb, dass alle ausbildungsinteressierten l eine gesicherte
    Aufenthaltserlaubnis zum Zweck der Berufsbildung, plus zwei weiteren
    Jahren zum Zweck der Berufspraxis, erhalten. Anders als die derzeitige
    Duldungsregelung schafft dies tatsächliche Rechtssicherheit für
    Geflüchtete und Betriebe und ermöglicht den jungen Menschen auch
    langfristig bessere Chancen auf dauerhafte Teilhabe an Gesellschaft und
    Dies wäre ein entscheidender Beitrag zur beruflichen
    Integration.
  • Integration beginnt mit Sprache. Wir wollen deshalb ein breites und
    praxisnahes Angebot für einen systematischen berufsvorbereitenden und
    berufsbegleitenden Spracherwerb der Fachsprache aufbauen. Es sollte
    unbedingt die Übergangszeit zwischen Aufnahme und Entscheidung über den
    Asylantrag zur Sprachförderung und beruflichen Orientierung bzw.
    Ausbildungsvorbereitung genutzt werden.
  • Es wird erheblicher Anstrengungen bedürfen, die Kompetenzen der
    Geflüchteten so weiter zu entwickeln, dass sie den Anforderungen einer
    Berufsausbildung entsprechen. Daher müssen ihre vorhandenen
    Qualifikationen, Kompetenzen und Talente möglichst frühzeitig und
    systematisch erfasst werden.
  • Um dem Bedarf nach einer strukturierten und verlässlichen Begleitung
    während der Ausbildung seitens Unternehmen und Auszubildenden
    nachzukommen, wollen wir eine entsprechende Unterstützung fachlicher,
    sprachlicher oder sozialpädagogischer Natur sowohl für die Unternehmen als
    auch für die Azubis.
  • Die Integration von Migrant*innen in den Arbeitsmarkt gelingt umso besser,
    je höher die interkulturelle Kompetenz der Arbeitskolleg*innen ist.
    Deshalb wollen wir den interkulturellen Austausch in der beruflichen
    Bildung deutlich verstärken, wie dies in der Hochschulausbildung zum
    Standard gehört.

Bildungsperspektiven in Hochschule und Erwachsenenbildung für Geflüchtete

Unter den Geflüchteten sind viele, die im Heimatland eine
Hochschulzugangsberechtigung erworben, bereits ein Studium begonnen oder gar
abgeschlossen haben. Bereits jetzt können sie an bayerischen Hochschulen
studieren, wenn sie qualifizierte Bildungsnachweise vorlegen und ausreichende
Deutschkenntnisse belegen können. Personen, denen jedoch fluchtbedingt
entsprechende Zeugnisse fehlen, bleibt der Weg an die Hochschule in Bayern
teilweise noch versperrt.

Das Feld der Erwachsenenbildung ist wie kaum ein anderes pädagogisches
Handlungsfeld durch das Lernen in heterogenen Gruppen gekennzeichnet.
Erwachsenenbildung hat ihre vordringliche Aufgabe in der sozialen Integration
gesellschaftlicher Schichten und Gruppierungen. Deshalb müssen die
Erwachsenenbildungsträger dringend in die Lage gebracht werden, sich in ihrem
Angebot auf die veränderte Zusammensetzung der Bevölkerung einstellen zu können.

Wir wollen

  • den Austausch zwischen den bayerischen Hochschulen über die Erfahrungen
    mit den diversen Projekten zur Integration geflüchteter Personen
    unterstützen, diese als zusätzliche, über die regulären Aufgaben der
    Hochschulen hinausgehende Herausforderung anerkennen und den Hochschulen
    die hierfür erforderlichen Mittel bereitstellen,
  • die Angebote an Vorbereitungs- und Sprachkursen für studierwillige
    Geflüchteter ausbauen,
  • die bestehenden bayerischen Stipendienprogramme für Geflüchtete öffnen,
  • vereinfachte Verfahren zur Anerkennung von Zeugnissen und
    Qualifikationsnachweisen sowie geregelte Testverfahren für jene, deren
    Zeugnisse nicht beigebracht werden können,
  • spezielle Sprach- und Integrationskurse für Frauen bei gleichzeitiger
    Sicherstellung der Kinderbetreuung,
  • ausreichende Angebote der Erwachsenenbildung in der
    Dafür müssen die Mittel für die
    Erwachsenenbildungsträger verdoppelt werden.

Bildung in den Flüchtlingslagern

Viele Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, fliehen in Etappen. Deshalb muss Bildung für Flüchtende nicht erst in Bayern und Deutschland beginnen, sondern bereits in den Flüchtlingslagern z.B. in der Türkei, Libanon, Jordanien, Irak. Den Menschen schon dort auf allen Bildungsgraden Unterstützung zu geben, ist nicht nur ein Gebot der Menschlichkeit, sondern erleichtert letztlich auch ihre Integration in Ländern wie Bayern, die die Flüchtenden langfristig aufnehmen.

Wir fordern deswegen, dass das UNHCR und die begleitenden NGOs mit den notwendigen Finanzmitteln ausgestattet werden, um diesen Bildungsauftrag zu erfüllen.

Kommunen als Bildungsort

In den Kommunen kommen die Menschen zusammen. Sie sind die Orte, wo Gemeinschaft
entsteht und gelingt. Weil aber die konkrete Integration auf lokaler Ebene
stattfindet, müssen unsere Städte und Gemeinden als Bildungsorte und –regionen
verstanden und ihre Verantwortung für Bildung gestärkt werden. Mit großem
Engagement, beständigem Einsatz und mit der Unterstützung vieler ehrenamtlich
arbeitender Menschen versuchen die Kommunen in Bayern diese Aufgabe zu meistern.
Sprachförderung und Integrationskurse, Kindergarten- und Schulplätze, Ausbildung
und Weiterbildung – Integration durch Bildung ist zur kommunalen Kernaufgabe
geworden. Allerdings stoßen die Kommunen zunehmend an finanzielle und personelle
Kapazitätsgrenzen.

  • Wir wollen in Bayern künftig ein Netzwerk Kommunaler Integrationszentren
    einrichten, um leistungsfähige Strukturen für Integrationsarbeit auf
    kommunaler Ebene zu schaffen und zu stärken. Daran anknüpfend sollen in
    Bayern vor Ort entsprechende Service-, Beratungs- und
    Dienstleistungseinrichtungen geschaffen werden, in denen interdisziplinär
    und interkulturell zusammengesetzte Teams Programme, Projekte und Produkte
    im Bereich der interkulturellen Bildung und Erziehung entwickeln und mit
    den lokalen Akteuren umsetzen.
  • Wir wollen eine ausreichende Finanzierung der kommunalen
    Integrationsarbeit durch den Landeshaushalt sicherstellen als
    Voraussetzung für den Aufbau leistungsfähiger Strukturen.
  • Eine besondere Bedeutung kommt den ehrenamtlichen Helfer*innen nach wie
    vor bei der Sprach- und Integrationsförderung zu. Deshalb fordern wir die
    Übernahme aller Kosten ihrer eigenen Fortbildung, stellen jedoch zugleich
    klar, dass Ehrenamtliche nicht dauerhaft dazu da sind, originäre
    Staatsaufgaben zu übernehmen, sondern lediglich zusätzliche
    Integrationsleistungen erbringen sollten.

Bildung stärkt den Wertekern unserer Gesellschaft

Die Vielfalt unserer Einwanderungsgesellschaft bereichert unser Zusammenleben
mit neuen Perspektiven, Sprachen und Kulturen. Zugleich fühlen sich viele
Menschen durch die zunehmend komplexer werdende Gesellschaft verunsichert – eine
Verunsicherung, die einerseits von den rechtspopulistischen Predigern des
Leitkults bewusst geschürt wird, während andererseits die stabilisierende,
soziale Bindungskraft von Werte vermittelnden Großorganisationen wie Kirchen
oder Gewerkschaften abnimmt. Zudem wird eine wachsende Gleichgültigkeit
gegenüber demokratischen Werten zur Herausforderung für unsere Gesellschaft im
Allgemeinen und für deren Integrationskraft im Besonderen. Damit steht die
bayerische Bildungspolitik mehr denn je vor der Aufgabe die Grundlagen dafür zu
legen, dass sich die Bürgerinnen und Bürger selbstverantwortlich orientieren
können in der Komplexität unserer offenen Einwanderungsgesellschaft.

Wir wollen deshalb die Schule in ihrem Bildungsauftrag stärken. Schulen müssen
noch viel stärker zu Orten der Demokratiebildung werden, denn als Demokrat*in
wird man nicht geboren, Demokratie muss man erlernen durch Erleben. Natürlich
ist die Entwicklung einer demokratischen Identität nur möglich, wenn wir selbst
innerhalb und außerhalb der Schule Demokratie überzeugend leben und Vielfalt
immer wieder neu gestalten. Doch nur eine Schule, die demokratisch organisiert
ist und in der Mitsprache der Lehrkräfte, Eltern und der Schülerinnen und
Schüler von zentraler Bedeutung sind, schafft die Voraussetzungen für
Demokratiebildung.

Generell kommt die Politische Bildung an Schulen zu kurz. In den Lehrplänen
setzt sie viel zu spät ein und es wird ihr viel zu wenig Zeit eingeräumt. Zudem
müsste sie jenseits der reinen Faktenvermittlung ihre zentrale Aufgabe darin
sehen, Schüler*innen für politische Mitsprache zu begeistern und ihre
wertegebundene Urteilsfähigkeit in der zunehmend komplexeren Gesellschaft zu
stärken. Das ist eine Aufgabe für alle Fächer, nicht nur für Politik-, Ethik-
und Religionsunterricht.

  • Wir fordern eine Stärkung der demokratischen und politische Bildung in den
    Lehrplänen aller Schularten ebenso wie in der Lehrer*innenausbildung –
    hierzu zählt auch die Erziehung zum friedlichen Umgang mit Konflikten.
  • Wir wollen systematisch Demokratie trainieren – u.a. durch obligatorische
    Kinder- und Jugendversammlungen in allen Schularten als Vorbereitung für
    kommunale und allgemeine demokratische Teilhabe.
  • Der bisherigen sträflichen Vernachlässigung von Demokratieerziehung im
    bayerischen Bildungssystem setzen wir ein Konzept entgegen, mit dem wir
    nicht nur Demokratiebildung als Querschnittsaufgabe in den bayerischen
    Lehrplänen stärker verankern sondern auch den Umfang der politischen
    Bildung in allen Schularten deutlich erhöhen.
  • Zudem muss man Demokratie erleben und praktizieren können. Deshalb setzen wir uns für eine demokratische Schule ein.
  • An Schulen wird das Zusammenleben gelernt und zwar in und außerhalb des
    Deshalb wollen wir Schulen als Lebensraum gestalten, u.a.
    durch den Ausbau von Ganztagsschulen und die vermehrte Einbindung von
    Schulpädagogen, um dadurch die Wertebildung in Unterricht und Schulleben
    zu unterstützen.