Das Ägyptische Museum barrierefrei

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Im Museum kann man ägyptische Skulpturen auch ertasten.

Die beiden LAGs Inklusion und Kultur testen die Barrierefreiheit des Ägyptischen Museums in München. Constanze Kobell und Eduardo Fernandez-Tenllado Ramminger berichten.

Das Ägyptische Museum in Museum bemüht sich um barrierefreie Kunstvermittlung und ist absolut sehenswert. Vorzeigeprojekt ist u.a. ein extra Raum für barrierefreie Kunstrezeption, indem alle Museumsbesucher die Herstellung ägyptischer Skulpturen anhand von Gesteinsproben ertasten und nachfühlen können. Über einen Audio-Visuellen-Guide gab es sowohl Informationen für Blinde wie auch in Gebärdensprache für Gehörlose. Gut gefallen hat uns zudem, dass die Räume über ein haptisches Wegeleitsystem im Boden miteinander verbunden waren.

Solche Konzepte sind leider keine Selbstverständlichkeit, die Museumsleiterin erzählte uns von ihren Kämpfen mit dem Architekten, der sich aus subjektiv-ästhetischen Gründen lange Zeit geweigert hatte, dieses Wegeleitsystem umzusetzen. Was uns bewusst machte, wie sehr Barrierefreiheit von dem Engagement einzelner Personen abhängt. Inklusive Bau- und Kunstvermittlungskonzepte sollten eine Selbstverständlichkeit sein, die der Gesetzgeber vorgibt. Dass diese fehlen, merkte man z.B. auch an den getrennten Zugangswegen für Rollstuhlfahrer*Innen und „Fußgänger*Innen“.

Nach dem Rundgang folgte eine ausführliche Diskussion mit der Museumsleiterin, die uns mit ihrem Engagement und ihrer Sachkenntnis sehr beeindruckte. Erwähnenswert waren dabei auch die unterschiedlichen Definitionen von Teilhabe und Barrierefreiheit. Wir sind dafür, dass alle Besucher*innen alle Angebote gleichberechtigt nutzen können. Das ist beim Ägyptischen Museum noch nicht ganz umgesetzt, aber wie die Leiterin Frau Schoske beim Gespräch mit uns sagte: „Barrierefreiheit ist ein Weg. Wir sind noch lange nicht da.“

Unser Fazit: Das Ägyptische Musen ist auf einem guten Weg und deutlich barrierefreier als viele andere Museen. Der Besuch dieses Museums wurde für alle Teilnehmer*Innen zu einer neuen Erfahrung, denn durch die Barrierefreiheit konnten wir Kunstwerke nicht nur betrachten, sondern auch fühlen und ertasten. Ein Besuch lohnt sich!