„Die Menschen wussten um die Chance, die der Nationalpark ihnen bietet“

Im Sommer 2015 wurde der Nationalpark Hunsrück-Hochwald eröffnet. Bei seiner Gründung wurden die Bürgerinnen und Bürger intensiv einbezogen. Wir sprechen mit der grünen Umweltministerin von Rheinland-Pfalz, Ulrike Höfken.

Portrait von Ulrike Hoefken

Foto: Kerstin Bänsch, © MULEWF

Der Gründung des Nationalparks ging ein Abstimmungsmarathon voraus. Die beteiligten Kommunen stimmten dem Park überwiegend zu. Warum war die Zustimmung zum Nationalpark so hoch?

Die Bürgerinnen und Bürger aus der Region wussten um die Chance, die der Nationalpark der Natur und den Menschen bietet. Und im Entstehungsprozess boten wir ihnen viele Möglichkeiten, ihre Region aktiv mitzugestalten. Ende 2012 startete die Dialogphase, mit der wir Bürgerarbeitskreise, Bürgerinitiativen, Mitarbeiter*innen des Naturparks Saar-Hunsrück, kommunale Gremien sowie Kammern eingebunden haben. Von der Region wurde ein kommunales Eckpunktepapier erarbeitet. Rund 200 Bürgerinnen und Bürger haben Vorschläge und Visionen für ihre Region entwickelt – von der Wegenutzung bis hin zu generationenübergreifenden Wohn- und Lebensformen. Mit diesen Ideen haben wir das Landeskonzept zum Nationalpark erstellt, dem später über 80% der kommunalen Gremien zustimmten. Dieser Weg barg immer auch das Risiko, dass die Region abspringt. Aber eben diese konsequente Beteiligung war erfolgreich: Anfängliche Bedenken wurden damit aufgefangen. Die Initiative „Nein zum Nationalpark“ hat sich noch vor dem Start des Nationalparks selbst aufgelöst. Stattdessen haben 20.000 Menschen die Eröffnung des Nationalparks in ihrer Region gefeiert.

Wie werden die Bürgerinnen und Bürger heute eingebunden?

Wir haben eine kommunale Nationalparkversammlung eingerichtet. Sie wird bei der Erstellung des Nationalparkplans und des Wegeplans eingebunden und muss auch zustimmen. Sie kann auch eigene Anregungen und Vorschläge einbringen. In der Versammlung sind kommunale Vertreter*innen sowie sechs Bürgerinnen und Bürger vertreten. Sie können so direkt Einfluss auf die Entwicklung des Nationalparks nehmen und die Region aktiv mitgestalten. Und in diesem Jahr wird auch zum ersten Mal ein Bürgerforum vom Freundeskreis des Nationalparks organisiert. Mit dieser breiten Beteiligung können wir die Entwicklung des Nationalparks in den kommenden Jahrzehnten mit den Menschen vor Ort erfolgreich gestalten.

Die Holzindustrie hat den Nationalpark bekämpft aus Angst um Arbeitsplätze. Wie viele Menschen haben durch den Nationalpark ihren Job verloren?

Der Nationalpark hat keine signifikanten Auswirkungen auf die Entwicklung der örtlichen Sägeindustrie gehabt. Denn gemessen an der Gesamtverarbeitungsmenge ist der Anteil des Holzes, der aus dem Nationalpark stammte, sehr gering. Abgesehen davon fallen noch 30 Jahre erhebliche Holzmengen aus dem Nationalpark an, zum Beispiel durch die Moorrenaturierung.

Mit dem Nationalpark sollte der sanfte Tourismus gefördert werden. Hat sich diese Hoffnung erfüllt?

Wir stehen am Anfang eines Entwicklungsprozesses – der Nationalpark wurde ja erst 2015 eröffnet. Bereits jetzt bieten wir jedoch ein vielfältiges Freizeit- und Umweltbildungsprogramm an. Allein in diesem Jahr finden 365 Veranstaltungen statt: Von Waldtour über Gipfel-, Ring- und Felsentour können die Besucher*innen mehr über Wildkatze, Schwarzstorch und Hangmoore erfahren.

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dmdbg1611_titelDieses Interview stammt aus dem Magazin der Bayerischen Grünen, Ausgabe November 2016.
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