Die Schule von morgen muss für demokratische Werte begeistern!

Bei einem gemeinsamen Treffen hat Eike Hallitzky, Landesvorsitzender der Grünen, zusammen mit Matthias Weigl, bayerischer Landes­schüler­sprecher, und Matthias Ernst, Sprecher der Grünen Jugend Bayern, über die Anforderungen an die Schule von morgen beraten und dazu ein Thesenpapier veröffentlich. „Wir wollen, dass unsere Schulen viel stärker zu Orten der Demokratiebildung werden“, so die gemeinsame Forderung:

1. Die Diskussion um die Schule von morgen darf nicht in den Fächerstrukturen von gestern verharren.

Die Herausforderungen für unsere Gesellschaft ändern sich dramatisch: Es geht um die Sicherung der Lebensgrundlagen; um die Frage, wie sich der Einzelne in einer immer komplexeren Welt zurecht findet; um gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine in weiten Teilen der Bevölkerung abnehmende Wertschätzung für unsere Demokratie als beste aller möglichen Regierungsformen. Diese zentralen Herausforderungen spiegeln sich jedoch im Alltag von schulischer Bildung und Erwachsenenbildung und in deren alten, festgefügten Fächerstrukturen nur unzureichend wider.

Wir wollen, dass unsere Schulen viel stärker zu Orten der Demokratiebildung werden, denn als Demokrat*in wird man nicht geboren, Demokratie muss man erlernen durch Erleben. Natürlich ist die Entwicklung einer demokratischen Identität nur möglich, wenn wir selbst innerhalb und außerhalb der Schule Demokratie überzeugend leben und Vielfalt immer wieder neu gestalten. Doch nur eine Schule, die demokratisch organisiert ist und in der Mitsprache der Lehrkräfte, Eltern und der Schülerinnen und Schüler von zentraler Bedeutung sind, schafft die Voraussetzungen für Demokratiebildung.

Wir wollen Schülerinnen und Schüler für die Werte begeistern, die unsere Demokratie tragen. Wir wollen deshalb, dass sich die Debatte um eine gute Bildungspolitik künftig weniger mit Strukturen befasst. Denn den Schülerinnen und Schülern geht es um gute Inhalte, nicht um Strukturen! Die Wahl von Trump zum US-Präsidenten, die Aussage des rechtsextremistischen AFD-Politikers Höcke zum Umgang mit Nazideutschland – in jüngerer Zeit gibt es nicht nur die Notwendigkeit sondern auch wichtige Anlässe für unsere Schulen, über unsere Demokratie intensiv und fächerübergreifend zu diskutieren, Projekte zu erarbeiten, Planspiele durchzuführen. Dafür müssen in sehr viel stärkerem Ausmaß Freiräume geschaffen, Ressourcen bereit gestellt sowie das Lehrpersonal motiviert und an Universitäten bzw. Weiterbildungseinrichtungen darauf vorbereitet werden.

2. Mündige Bürgerinnen und Bürger fallen nicht vom Himmel, sie sind das Ergebnis gelungener Bildung.

Der demokratische Rechtsstaat lebt von Bürgerinnen und Bürgern, die sich selbst- und sozialverantwortlich ein Urteil bilden können und die in der Verfassung normierten Regeln und Werte respektieren und sich für sie engagieren. Mit der Formulierung der Bildungsziele hat „Bildung für die Demokratie“ zu Recht Verfassungsrang, tatsächlich führt sie aber in den Lehrplänen und im Schulalltag ein Schattendasein. Zudem wissen wir, dass nur eine Schule, die selbst demokratisch organisiert ist und in der die Mitsprache der Lehrkräfte, Eltern und der Schülerinnen und Schüler wichtig ist, die Voraussetzungen für die Bildung demokratischer Werte schafft.

Wir wollen die demokratische und politische Bildung in den Lehrplänen aller Schularten ebenso wie in der Lehrerausbildung stärken. Das ist eine Aufgabe für alle Fächer, nicht nur für Politik-, Ethik- und Religionsunterricht. Wir wollen systematisch Demokratie trainieren – u.a. durch obligatorische Kinder- und Jugendversammlungen in allen Schularten als Vorbereitung für kommunale und allgemeine demokratische Teilhabe. Der bisherigen sträflichen Vernachlässigung von Demokratieerziehung im bayerischen Bildungssystem setzen wir ein Konzept entgegen, mit dem wir nicht nur Demokratiebildung als Querschnittsaufgabe in den bayerischen Lehrplänen stärker verankern sondern auch den Umfang der politischen Bildung in allen Schularten deutlich erhöhen.

3. Stadtschülervertretungen zeigen, dass die Wünsche der Schülerinnen und Schüler ihren Lebensmittelpunkt mitzugestalten ernst genommen werden.

Gerade in einer Zeit, in der große Vereinfacher am Werk sind, um mit sog. „Alternativfakten“ die Grenzen von Lügen, Meinungen und Wahrheit zu vermischen, bekommt das Mitwirken gerade junger Menschen an politischen Entscheidungen eine zentrale Bedeutung für den Bestand und die Lebendigkeit unserer Demokratie.

Bisher gibt es Stadtschulvertretungen nur in wenigen bayerischen Großstädten. Wir wollen, dass in jeder Stadt die Schülerinnen und Schüler in Stadtschulvertretungen ein starkes Mandat bekommen, um ihren eigenen Interessen Gehör zu verschaffen. Diese sind vielfältig, können Themen zur Verpflegung an Schulen ebenso betreffen wie Wünsche zur allgemeinen Jugendpolitik. Zugleich würden Stadtschulvertretungen Jugendliche an Politik und Demokratie heranführen. Zudem sind wir uns einig in der Forderung nach einem früheren Wahlrecht für junge Menschen.

4. Die Zukunft des Gymnasiums ist neunjährig.

Seit Jahren mogelt sich die Staatsregierung um eine klare Entscheidung zwischen dem acht- und dem neunjährigen Gymnasium herum – zu Schaden unzähliger Schülerinnen und Schüler in Bayern. Die – aus Feigheit vor einer eigenen Entscheidung – bislang geäußerte Absicht, diese Entscheidung den Schulfamilien zu überlassen, wird von allen Betroffenen und allen Verbänden abgelehnt. Planungssicherheit ist überfällig.

Wir wollen in Bayern eine neunjährige Gymnasialzeit, mit der Möglichkeit für einzelne Schüler, die Schulzeit individuell zu verkürzen. Diese Umstellung muss genutzt werden für eine inhaltliche und pädagogische Reform, die vertieftes und intensives Lernen mit mehr Übungsphasen im Unterricht ermöglicht sowie Zeit und Raum zur Entwicklung der Persönlichkeit gibt. Die mit dem G9 verbundenen Kosten in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro für Schulneu- und Erweiterungsbauten und für 1.000 zusätzliche Lehrkräfte sind eine Investition in die Zukunft Bayerns. Dieses Geld ist eine gute Investition in die Zukunft Bayerns. „Ja, gute Bildung ist teurer. Weit teurer ist aber, darauf zu verzichten.“