Grüne Wege in eine bayerische Landwirtschaft mit Zukunft

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Wie wir in Bayern Landwirtschaft betreiben, geht uns alle etwas an. Es beeinflusst unsere Ernährung, den Zustand unserer Umwelt, das bayerische Landschaftsbild und die Existenz eines ganzen Berufsstandes zutiefst. Und dabei treffen wir auch moralische Entscheidungen, wie wir mit Tieren und Pflanzen umgehen, was wir unseren Kindern hinterlassen wollen.

In Bayern sind wir derzeit an einem Wendepunkt. Das traditionell durch kleinbäuerliche Betriebe bewirtschaftete Land befindet sich in einer Phase des schleichenden und dennoch unerbittlichen strukturellen Wandels: Der durch Industrie, Handel und Politik vorgegebene Kurs ist, möglichst viel zu möglichst billigen Preisen herzustellen. Darunter leidet nicht nur die Qualität unserer Lebensmittel. Auch unsere Umwelt, unser Trinkwasser, die Tiere und immer öfter auch unsere Gesundheit werden in Mitleidenschaft gezogen. Dabei bekommen unsere Bauern für ihre Erzeugnisse längst nicht, was sie eigentlich verdienen. Dem Überlebenskampf auf dem unerbittlichen Weltmarkt sei Dank.

Wir müssen uns entscheiden, ob wir Bäuerinnen und Bauern, das Handwerk, die Menschen, die in der Ernährungswirtschaft arbeiten, wertschätzen und wie wir einen Weg finden, ihnen faire Löhne und faire Preise zu ermöglichen. Wir müssen die richtigen politischen Weichen stellen, damit ein „Immer mehr, immer billiger“ nicht die bäuerliche Landwirtschaft, die Tierwürde, die Umwelt und Kulturlandschaft mit Füßen tritt.

Wir haben es in der Hand, uns für den richtigen Weg zu entscheiden.

Bayern braucht eine Wende in der Agrarpolitik und wir Grüne haben klare Vorstellungen davon, wie diese Agrarwende aussehen kann. Damit übernehmen wir Verantwortung für unsere regionale bäuerliche Landwirtschaft und für globale Gerechtigkeit.

Wir Grüne stehen für

  • Eine tiergerechte Haltung
  • Gutes Essen ohne Gentechnik, Hormone, Antibiotika & Agrargifte
  • Eine Landwirtschaft im Einklang mit der Natur
  • Eine Landwirtschaft nahe am Menschen: regional und ökologisch
  • Eine global gerechte Landwirtschaft

I Eine Frage der Haltung 

Tiergerechte Haltung und Abschaffung von Tierfabriken in Bayern 
Die industrielle Haltung landwirtschaftlich genutzter Tiere hat in den letzten Jahrzehnten in Deutschland in dramatischer Weise zugenommen. Deutschland entwickelt sich zunehmend zum Exportland für Schlachttiere, Fleisch und Fleischprodukte. Diese Fehlentwicklung hat auch Bayern erfasst. Immer mehr Tiere werden in immer größeren Mastfabriken gehalten: 50.000 Masthähnchen oder 2.000 Schweine pro Stall sind auch bei uns keine Seltenheit mehr. Tendenz steigend.

Maßnahme:

  • Alle Tiere sollen die Möglichkeit zu regelmäßigem Auslauf an der frischen Luft haben.

Fehlentwicklung stoppen
Nicht mehr Tiere, sondern mehr für’s Tier: das ist der Weg in die Qualitätslandwirtschaft, den wir gemeinsam mit Bäuerinnen und Bauern, mit Verbraucherinnen und Verbrauchern gehen wollen.

Mehr Tierschutz in bayerischen Ställen
In Grün geführten Landwirtschaftsministerien hat der Paradigmenwechsel bereits begonnen, unter anderem mit der Einführung von Tierschutzplänen, Tierschutzbeauftragten und einem Klagerecht für Tierschutzverbände. Auch Bayern braucht diesen Paradigmenwechsel. Ziel ist es, mit allen Betroffenen gemeinsam an Lösungen und deren Umsetzung zu arbeiten. Denn mehr Tierschutz schafft auch mehr Verbraucher*innenakzeptanz und höhere Lebensmittelqualität. Der im Grundgesetz und in der Bayerischen Verfassung verankerte Tierschutz muss endlich konsequent umgesetzt werden.

Maßnahmen:

  • Einführung eines Tierschutzplans für Bayern mit klaren Fristen zur Umsetzung
  • Schaffung der Stelle einer/s Tierschutzbeauftragten für Bayern
  • Ermöglichung des Verbandsklagerechts für Tierschutzverbände

Keine Amputationen bei Schweinen, Rindern und Hühnern 
Tiere werden in der industrialisierten Tierhaltung lediglich als Ware und Produktionsfaktor gesehen. Enge, Bewegungsmangel, Überzüchtung und hohe Tierzahlen in einem Stall sind schrecklicher Alltag für Millionen von Tieren. Auf einem Quadratmeter drängen sich bis zu 26 schlachtreife Masthühner, ein 110 kg schweres Mastschwein muss mit 0.75 qm auskommen. Eine Zuchtsau verbringt etwa die Hälfte ihres Lebens fast bewegungsunfähig im „Ferkelschutzkorb“ und im Kastenstand. Schweineschwänze werden abgeschnitten, Schnabelspitzen bei Küken amputiert und Hornansätze bei Kälbern ausgebrannt, damit sich die eingezwängten Tiere nicht gegenseitig verletzen. Nach dem Wortlaut des Tierschutzgesetzes müssten derartige Eingriffe die Ausnahme sein. In der Realität sind sie die Regel.

Damit wollen wir Schluss machen. Ziel grüner Politik ist es, die Gründe für das Federpicken und Schwanzbeißen abzustellen und zu ermöglichen, dass horntragende Tiere gehalten werden können. Wir müssen die Ställe an die Tiere anpassen und nicht umgekehrt. Die Tiere benötigen ausreichend Platz, Auslauf, Tageslicht und Beschäftigungsmöglichkeit.

Maßnahmen:

  • Ein ausdrückliches Verbot von Haltungsformen wie Käfighaltung und Kastenstand
  • Sofortiges Verbot Tiere grundlos zu töten, wie beim Schreddern der männlichen Küken bei Legehennen
  • Sofortiges Verbot von der Amputation von Schnabelspitzen sowie der der Einstallung schnabelgekürzter Jungvögel
  • Schnellstmögliches Verbot von Tierverstümmelungen, wie der Amputation von Schweineschwänzen sowie dem Ausbrennen von Hornansätzen bei Kälbern. In einer Übergangszeit Unterstützung der Haltungsumstellung durch Fördermaßnahmen für Stallumbauten oder Prämien wie der Ringelschwanzprämie in Niedersachen
  • Verbot der betäubungslosen Kastration bei männlichen Ferkeln

Stroh im Stall statt Voll-Spaltenböden 
Wie dringend ein Umdenken bei den Haltungsbedingungen ist, zeigt auch eine jüngst veröffentlichte Studie der LMU zu Voll-Spaltenböden in der Schweinemast. 92 Prozent der untersuchten Tiere aus konventioneller Haltung hatten schmerzhafte Veränderungen an den Gelenken. Die Studie belegt einmal mehr unsere Forderung nach einer Rückkehr zu Stroheinstreu.
Während in der Milchviehhaltung mit modernen Laufställen in den letzten Jahren Fortschritte im Hinblick auf tiergerechte Haltung gemacht wurden, haben sich die Haltungsbedingungen für Schweine- und Geflügel verschlechtert.
Maßnahmen:

  • Stallumbauprogramme zur Förderung umsteigewilliger Betriebe von Voll-Spaltenböden auf Stroh im Stall
  • Streichung der Basisprämie von 15 % für Stallneubauten nach den gesetzlichen Standard und Umschichtung für Umbauten bestehender Ställe mit Offenhaltung und Stroheinstreu.
  • Auflegen eines Festmistprogramms
  • Keine Neubauten von Ställen mit Vollspaltenböden und entsprechende Änderung der Stallbauverordnung.

Ende der ganzjährigen Anbindehaltung 
Dass Kühe ihr Leben lang im Stall angebunden sind, wollen wir nicht länger hinnehmen. Die saisonale Anbindehaltung ist aber in kleinen Betrieben, insbesondere im Berggebiet, Teil der bäuerlichen Tradition in Bayern. Wenn Tiere von Frühjahr bis Herbst auf der Weide sein können und im Winter ausreichend Auslauf haben, soll Anbindehaltung für Kühe auch künftig erlaubt sein. Beweidung erhält Biodiversität in Grünlandgebieten. Grundsätzlich wollen wir die Weidehaltung von Kühen und Rindern fördern, unabhängig von der Stallform. Denn selbst in Bayern kommen nur noch 16% der Milchkühe auf die Weide. Für Betriebe, die wegen der örtlichen Lage keine Möglichkeit haben, ihre Kühe auszutreiben, fordern wir höhere finanzielle Unterstützung von baulichen Maßnahmen wie gemeinschaftliche, flexible Melkstände und für Kleinstlaufställe.

Käfighaltung abschaffen – Hühner zurück auf die Höfe 
Der Bayern-Ei-Skandal hat der tierquälerischen Haltung von Legehennen in Monsterfabriken, zusammengepfercht in engen Käfigen, eine traurige Aktualität verliehen. Es gibt sie noch: Legebatterien mit hunderttausenden von Tieren, obwohl sie längst hätten verboten werden müssen. Alleine in Bayern leben rund 1,3 Millionen Hennen in Käfigen. Nachdem der damalige Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) die Käfighaltung 2009 unter anderem Namen wiedereingeführt hat, erklärte das Bundesverfassungsgericht diese Haltungsform für verfassungswidrig. Doch die ehemalige Bundeslandwirtschafts-ministerin Ilse Aigner (CSU) erließ kein entsprechendes Gesetz zur Abschaffung der Käfighaltung. Für uns Grüne ist klar, dass Deutschland dem Beispiel Österreichs folgen und aus der Käfighaltung aussteigen muss. Weil Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) untätig ist, fordern wir für Bayern ein Ende der Käfighaltung bis 2017 auf dem Verordnungsweg ein.
Hühner gehören zurück auf die Höfe. Statt in riesigen Tierfabriken wollen wir erreichen, dass Hühner wieder in kleineren Einheiten auf den Bauernhöfen gehalten werden. Wir unterstützen Initiativen zur Förderung von mobilen Hühnerställen und Erzeugergemeinschaften von Legehennen, die z.B. mit Eiersammelwagen die dafür notwendigen regionalen Vermarktungsstrukturen schaffen.

Maßnahmen:

  • Abschaffung der Käfighaltung in Bayern bis 2017. Ab sofort sollen keine Anlagen oder Anlagenerweiterungen mit Käfighaltung mehr genehmigt werden.
  • Förderung mobiler Hühnerställe und Initiativen zur Schaffung entsprechender regionaler Vermarktungsstrukturen für Eier

Keine Privilegierung von Tierfabriken 
Ein Grund für den ungebremsten Bau riesiger Mastställe ist eine zu großzügige Auslegung des §35 Baugesetzbuch über das privilegierte Bauen im Außenbereich. Deshalb wollen wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Genehmigungen von industriellen Tierhaltungen so restriktiv wie möglich zu handhaben. Die Bauprivilegierung muss bäuerlichen Betrieben vorbehalten bleiben und ihre Grenze dort finden, wo Betriebe eine förmliche Genehmigung nach dem Immissionsschutzrecht benötigen. In einigen Regionen ist die Anzahl der Tierhaltungsanlagen besonders stark konzentriert. Hier kämpfen die Bürger*innen mit der Bioaerosol- und Ammoniakbelastung und dem Gestank. An diesen Orten muss es den Kommunen möglich sein, den Zubau von Mastanlagen in eigener Verantwortung zu bremsen. Bodengebundene Tierhaltung in der Landwirtschaft muss wieder zur Regel werden. Nur Betriebe, die über 50 Prozent des benötigten Futters auf eigenbewirtschafteten, hofnahen Flächen auch tatsächlich selbst erzeugen und an ihre Tiere verfüttern, sollen eine baurechtliche Privilegierung als landwirtschaftlicher Betrieb bekommen. Wird die Futteranbaufläche reduziert, muss im entsprechenden Umfang auch der Tierbestand verkleinert werden. Flächengebundene Tierhaltung darf sich eben nicht nur auf die Gülleverwertung beziehen, sondern auch auf die Futtergrundlage. Darin sehen wir eine wichtige Säule einer eigenverantwortlichen bäuerlichen Qualitätslandwirtschaft, die tiergerecht und nachhaltig wirtschaftet.

 

Maßnahmen:

  • Bauprivilegien nur für landwirtschaftliche Betriebe, die nicht unter das Immissionsschutzrecht fallen
  • Verringerung der Besatzdichte und eine bodengebundene Tierhaltung
  • Ein Filtererlass, der für große Schweinemastställe einen Abluftfilter nach dem Stand der Technik zwingend vorschreibt, so wie dies in vielen anderen Bundesländern bereits praktiziert wird
  • Kontrollmöglichkeiten zur Einhaltung der Flächenbindung ausweiten

Beratungsangebote für eine tiergerechte Haltung 
Bei der Umstellung auf gute Haltungssysteme sind große Investitionen nötig. Der Umbau von Ställen und Stallneubauten ist aber nicht nur kosten- sondern auch beratungsintensiv. Die Beratungsstruktur in der Landwirtschaft ist von wenigen Verbänden dominiert, die einseitig auf Wachstum setzen. Wir Grüne wollen zukunftweisende Beratungsprojekte fördern, sie ausbauen und neue Projekte anstoßen, um das Ziel einer tiergerechten Haltung zu erreichen.
Maßnahmen:

  • Förderung von unabhängigen Beratungsprojekten für eine tiergerechte Haltung

Schluss mit Überzüchtung 
Die auf Hochleistung und Turbowachstum einseitig ausgerichtete Zucht und zum Teil groteske Überzüchtung der Tiere führt zu Tierleid und haltungsbedingten Krankheiten. Puten, Masthühner und Enten haben Knochendeformationen und massive Bewegungs-einschränkungen aufgrund zu schnellen Wachstums und Legehennen werden zu Legemaschinen. Bei Kühen verringert die Fokussierung der Zucht auf die Jahresleistung die Lebenserwartung deutlich. Durchschnittlich werden Kühe nur noch 5 Jahre und drei Monate alt. Wir Grüne sehen einen dringenden Handlungsbedarf, die Zuchtziele zu Gunsten von Langlebigkeit, Robustheit und Tiergesundheit und bei Kühen auf Lebensleistung anzupassen. In der Mast braucht es eine Begrenzung der täglichen Zunahmen bei den Zuchtzielen. Wir wollen Forschungsprogramme fördern, die tiergerechte Zuchtziele statt Höchstleistung im Auge haben und alte, regionale Nutztierrassen wieder etablieren. Gerade für Bayern mit seinen vielen Bergregionen und Grenzertragsflächen haben alte Nutztierrassen große Vorteile. Wir wollen, dass auch in Zukunft die horntragende Kuh ihren Platz in der bäuerlichen Landwirtschaft in Bayern hat. Die Hornloszüchtung ist für uns nicht der Königsweg.

Kein System der Wegwerftiere 
In einem System, das Landwirtinnen und Landwirte in die Produktion möglichst billiger Massenware zwingt, das hochgradige Spezialisierung fordert, werden Tiere zu Abfall, wenn sich ihre Aufzucht wirtschaftlich nicht lohnt. Ein Beispiel ist das massenhafte Töten männlicher Küken bei Legehennen. Da die Hähne dieser Legerassen zu langsam wachsen, werden sie als Eintagsküken vergast oder geschreddert. Das muss nicht so sein: In Bayern gibt es bereits einige Pioniere, wie das Hahn-Henne-Ei Projekt. Hier dürfen auch männliche Küken aufwachsen. In der Schweinezucht mit dem Ziel immer größerer Würfe, werden „überzählige“, schwache Ferkel oftmals getötet. Selbst Bullenkälber von hochspezialisierten Milchkühen droht diese Entwicklung. Hier müssen wir in Bayern schon frühzeitig gegensteuern. Wir setzen uns ein für staatlich unterstützte Forschungsprogramme zur Züchtung von Zweinutzungsrassen z.B. bei Hühnern.
Das Schlachten trächtiger Kühe findet auch in deutschen Schlachthöfen statt. Ihre Kälber ersticken qualvoll im Mutterleib. Wir Grüne fordern daher ein Schlachtverbot für trächtige Kühe, Notschlachtung ausgenommen.

Maßnahmen:

  • Förderung von Forschungsprogrammen mit den Zuchtzielen: Langlebigkeit, Robustheit und Tiergesundheit
  • Förderung von Zweinutzungsrassen und Bruderhahnprojekten
  • Schlachtverbot für trächtige Kühe

Bayern als Vorreiter tiergerechter Haltung 
Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist die Ausgangslage in Bayern für die Verhinderung der Ausweitung von industriellen Tierhaltungen günstig. Noch ist es möglich, eine negative Entwicklung in Bayern aufzuhalten, die bäuerliche Landwirtschaft zu stärken und eine Umstellung auf tiergerechte Haltungsformen zu erreichen. Dafür gibt es einen breiten Konsens in der Gesellschaft.

II Gutes Essen ohne Gentechnik, Antibiotika & Gift Wissen, was drin ist! Verlässliche und umfassende Kennzeichnung

Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher stellen höhere Ansprüche an die Erzeugung und die Qualität ihres Essens. Sie fordern mehr Transparenz darüber, wie ihre Lebensmittel erzeugt wurden und wo sie herkommen. Die Zeit ist reif für die Einführung einer Tierhaltungskennzeichnung für alle vom Tier stammenden Lebensmittel. Erst eine transparente Kennzeichnung mit klar erkennbaren Alternativen beim Einkauf und eine wirksame Kontrolle bewirken einen Wandel. Undurchsichtige Manöver wie die Tierwohlinitiative von Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt sind ungeeignet. Wir Grüne wollen, dass die Haltungsbedingungen der Tiere auf Verpackungen unkompliziert gekennzeichnet werden. Ähnlich wie die 0,1,2,3 bei Frischeiern, soll kenntlich gemacht werden, aus welchen Haltungsformen das Fleisch von Schweinen, Rindern und Geflügel kommt. Mit ausreichender Transparenz werden sich Produkte aus tiergerechter Haltung auf dem Markt durchsetzen. So sind bereits die Käfigeier aus den Regalen der Supermärkte weitestgehend verschwunden. Dies gilt aber noch nicht für Lebensmittel, in denen Eier enthalten sind. Wir wollen auch bei verarbeiteten Eiern eine Kennzeichnung auf der Verpackung, damit tierquälerische Haltung ein Ende hat.

Maßnahmen:

  • Kennzeichnung von allen Produkten, die tierische Bestandteile enthalten
  • Recht auf Information: Einführung verbindlicher Herkunfts- und Haltungskennzeichnung von Fleisch und von Eiern, auch in verarbeiteten Lebensmitteln
  • Ehrlichkeit auf der Verpackung statt geschönter Bilder: Keine Irreführung der Verbraucherinnen und Verbraucher durch vorgetäuschte Bauernhofidylle beim Produktmarketing

Antibiotika nur im Einzelfall bei kranken Tieren 
Rund eine Million Menschen infizieren sich nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene jährlich mit multiresistenten Keimen. Für 30.000 bis 40.000 Menschen ist diese Infektion die wesentliche Todesursache. Nicht alle MRSA-Keime kommen aus der Landwirtschaft, doch wir wissen heute, dass Resistenzen dort entstehen, wo Antibiotika viel und häufig eingesetzt werden. Wie in der industriellen Massentierhaltung, die ohne das Schmiermittel Antibiotika nicht funktioniert. 76% der Schweine und 83% des Mastgeflügels erhalten während ihres kurzen Lebens zum Teil sogar mehrfach Antibiotika. Bei der Erkrankung einzelner Tiere wird oft gleich der ganze Bestand behandelt. Je größer und dichter der Bestand, desto größer ist das Gesundheitsrisiko bei den Tieren und entsprechend hoch ist der Antibiotikaeinsatz. Bei der Agrarwende geht es daher nicht nur um die Frage der Tierhaltung, sondern ganz zentral auch um den Schutz der Gesundheit der Menschen. Bis heute schiebt die Bundesregierung dem dramatisch hohen Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft keinen Riegel vor. Selbst Reserveantibiotika, die der Humanmedizin vorbehalten bleiben müssen, finden inzwischen ihren Weg in die Käfige und Zellen der industriellen Massentierhaltung. Der Handlungsbedarf für die Politik ist eindeutig. Unser Ziel ist es, den Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung in den nächsten fünf Jahren zu halbieren und den Einsatz von Reserveantibiotika in der Tiermast zu verbieten.
Dafür brauchen wir ein funktionierendes Antibiotika-Erfassungssystem, das belastbare Daten liefert und eine betriebsbezogene Auswertung ermöglicht.

Maßnahmen:

  • Verbot des Einsatzes von Reserveantibiotika in der Tiermast
  • Reduzierung des Einsatzes von Antibiotika in der Tiermast um 50% in den nächsten fünf Jahren
  • Bessere Kontrolle des Antibiotikaeinsatzes und scharfe Sanktionen bei Missbrauch
  • Kein Missbrauch des tierärztlichen Dispensierrechts. Tierärzte dürfen durch die Arzneimittelabgabe keine übermäßigen Gewinne erzielen.
  • Optimierung des Antibiotika-Erfassungssystems und Einführung einer zentralen Datenbank zur Erfassung der tierärztlichen Dokumentationen
  • Abschaffung von Mengenrabatt auf Antibiotika und andere Medikamente
  • Zwingende tierärztliche Untersuchung kranker Tiere vor Ort vor der Medikamentenverschreibung

Keine Risiko-Gentechnik auf unseren Tellern und Feldern 
Wir wollen eine 100 Prozent gentechnikfreie Landwirtschaft und keine Gentechnik auf unseren Tellern – bayernweit, deutschlandweit und EU-weit. Genmanipulation bedeutet unkalkulierbare Risiken für Umwelt, Gesundheit und Gesellschaft und eine Totalabhängigkeit unserer Landwirt*innen von Monsanto und Co. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung lehnt Gentechnik auf den Feldern ab. Die CSU spielt ein falsches Spiel: hierzulande mimt sie den vehementen Gegner der Gentechnik und in Berlin unterstützt sie die Merkel-Regierung und stimmt für die Interessen der Gen-Lobby.

Konsequent gentechnikfrei in der Land- und Ernährungswirtschaft 
Auf Bundes- und EU-Ebene kämpfen wir Grüne gegen die Zulassung und Vermarktung von gentechnisch verändertem Saatgut und gegen einen Patentschutz gentechnisch veränderter Pflanzen und Tiere. Wir fordern eine vollständige und deutliche Kennzeichnung von Lebensmitteln, die unter Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen entstanden sind. Dies bezieht sich insbesondere auf den Einsatz von gentechnisch verändertem Futtermittel.

Maßnahmen:

  • Einsatz auf EU-, Bundes- und Landesebene gegen die Zulassung und Vermarktung von gentechnisch verändertem Saatgut
  • Kein Patent auf Leben
  • Vollständige Kennzeichnung von genmanipulierten Lebensmitteln
  • Einsatz für den sofortigen Stopp der Verhandlungen der Freihandelsabkommen TTIP und CETA, welche die Einführung von Gentechnik ermöglichen
  • Dauerhafte Sicherung der Null-Toleranz bei Saatgut
  • Förderung des Anbaus heimischer Eiweißpflanzen

III Eine Landwirtschaft im Einklang mit der Natur 

Sauberes Wasser statt Gülleseen 
Wasser ist die Grundlage unseres Lebens. In immer mehr Regionen Bayerns ist die Qualität des Grundwassers wegen der hohen Nitrat- und Gifteinflüsse aus der Landwirtschaft bedroht. Wasserversorger mussten bereits Trinkwasserbrunnen schließen oder teure Wasseraufbereitungsanlagen bauen. Besonders in Regionen mit industrieller Tierhaltung, verstärktem Grünlandumbruch und großflächigem Maisanbau steigen die Nitratwerte. Die Risikoanalyse des Landesamtes für Umwelt (LfU) zeigt, dass bis zum Jahr 2021 knapp 40% der bayerischen Grundwasserkörper gefährdet sind. Hauptursache der Misere ist das Desinteresse der CSU-Staatsregierung und des Bauernverbandes an einem konsequenten Schutz des Wassers. Obwohl Deutschland Strafzahlungen aus Brüssel drohen falls nicht mehr zur Reinhaltung des Grundwassers passiert, blockieren CSU und Bauernverband eine ernsthafte Novellierung der Düngeverordnung mit einer Hoftorbilanz und klaren Düngeobergrenzen. Grundwasserschutz kann aber nicht auf Freiwilligkeit und Zuschüssen basieren. Dafür braucht es klare gesetzliche Vorgaben. Wir wollen eine betriebsbezogenen Erfassung der Düngemengen und eine Förderung des vielfältigen Landbaus mit lokalen Nährstoffkreisläufen von der Futtermittelversorgung bis zur Wirtschaftsdüngeranwendung statt großflächiger Monokulturen und Gülleseen. Stroh im Stall verhindert nicht nur Tierleid, es schützt auch Böden und Gewässer vor zu hohen Nitrat- und Phosphateinträgen. Weil Bayern als einziges Bundesland die fünf Meter breite Pufferzone zwischen Äckern und Gewässern immer noch nicht zur Pflicht gemacht hat, gelangen die Einträge weiterhin ungehindert in unsere Bäche und Flüsse. Das Prinzip der Freiwilligkeit bringt keinen ausreichenden Schutz.

Maßnahmen:

  • Betriebsbezogene Erfassung der Düngemengen
  • Novellierung der Düngeverordnung mit einer Hoftorbilanz und klaren Düngeobergrenzen
  • Einführung eines verpflichtenden Gewässerrandstreifens
  • Die Verschärfung der Düngeverordnung und die Einführung einer Stickstoffüberschussabgabe, um EU-Wasserschutzrichtlinie einzuhalten

Mehr biologische Vielfalt statt ausgeräumter Landschaften 
Nicht nur das Wasser auch Böden und Biodiversität sind gefährdet. Hauptverursacherin für den Rückgang der biologischen Vielfalt ist die schädliche Intensivlandwirtschaft und damit verbunden der massive Umbruch von Grünland. Gerade in Bayern ist – neben Niedersachsen und Schleswig-Holstein – der Rückgang des Grünlandes dramatisch. In zehn Jahren sind in Bayern 60.000 Hektar Dauergrünland verloren gegangen, umgewandelt in Ackerfläche oder durch Bebauung versiegelt. Die noch vorhandenen Wiesen und Weiden werden oft ähnlich ausbeuterisch bewirtschaftet wie die Äcker. Um dies zu ändern wollen wir mehr Magerflächen mit weniger Schnitten pro Jahr. Denn wir brauchen artenreiches Dauergrünland für den Wasser- und Bodenschutz, für Biodiversität. Wiesenblumen und Weidekräuter dienen vielen Lebewesen als Nahrung und Lebensraum. Biodiversität ist das Immunsystem unserer Erde.

Maßnahmen:

  • Erhalt artenreichen Dauergrünlands
  • Umwandlungsverbot für Dauergrünland und Einführung eines Grünlandschutzgesetzes für Bayern
  • Mehr finanzielle Mittel für die Beratung der Landwirtinnen und Landwirte zum Erhalt der Biodiversität
  • Eine Ausweitung von Programmen für Blühstreifen, Baumreihen, Gehölzen und Zwischenfruchtansaaten
  • Höhere Vergütung über das EEG von ökologisch wertvollen Energiepflanzen für Biogas aus mehrjährigen Kulturen und Zwischenfruchtanbau

Kein Gift auf bayerischen Feldern
Allein im Jahr 2012 wurden in Deutschland 6000 Tonnen glyphosathaltiges Pflanzengift auf unsere Äcker gespritzt. Glyphosat ist inzwischen von der Weltgesundheitsorganisation als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft worden. Wir fordern die bayerische Staatsregierung auf, mit ihrer Verharmlosung dieses Allzweckgifts endlich Schluss zu machen. Wir fordern ein ausnahmsloses Anwendungsverbot.

Auswirkung der schädlichen Intensivlandwirtschaft auf Bienen
Bienen und andere Insekten sind für den Naturhaushalt unverzichtbar. Die von Monokulturen geprägte Landwirtschaft entzieht ihnen jedoch zunehmend die Nahrungsgrundlage. Hinzu kommt der Einsatz von Gift wie Neonicotinoide. Deshalb ist die Hälfte der bekannten Bienenarten und Insektenarten vom Aussterben bedroht. 2014 war das schlechteste Bienenjahr der Geschichte und das fünfte sehr schlechte Jahr in Folge. Nur eine nachhaltige und vielfältige Landwirtschaft und der Verzicht auf Gift können Bienen schützen. Durch die Anlage von Blühstreifen und -flächen können Landwirt*innen aktiv zum Überleben der Bienen und vieler Insekten beitragen.
Maßnahmen:

  • Keine Verlängerung der Zulassung von Glyphosat in der EU Ende 2015
  • Endgültiges Verbot des Giftes der Neonicotinoide, wenn im Dezember dieses Jahres das von der EU verhängte Moratorium ausläuft

Bodenschutz
Der Erhalt und die Verbesserung der natürlichen Bodenfruchtbarkeit ist eine der wichtigsten Aufgaben in unserer Verantwortung für die nächsten Generationen. 18 Hektar fruchtbarer Boden gehen pro Tag in Bayern durch Siedlungs-, Gewerbe- und Verkehrsbaumaßnahmen unwiederbringlich verloren. Die Staatsregierung lässt diesen Flächenfraß nicht nur zu, sie heizt ihn sogar mit der Aufweichung der Anbindeklausel im Landesentwicklungsprogramm an. Wir fordern endlich die Umsetzung eines kommunalen Flächenressourcenmanagements. In allen anderen Bundesländern ist es gelungen, den Flächenverbrauch zu senken, nur in Bayern betoniert die CSU unsere Böden weiter zu.
Falsche Bodenbearbeitung mit schwerer Technik, Giften und unzureichender Fruchtfolge zerstören zudem das natürliche Bodengefüge auf unseren Äckern. Der wertvolle Humusgehalt geht verloren und das unzählige Leben unserer Böden stirbt. Für 95 % aller heimischen Insekten ist in ihrer Entwicklung ein bodenbewohnendes Stadium lebensnotwendig.
Der Schwund heimischer Vögel auf unseren Äckern ist dramatisch. Eine Trendwende ist bisher nicht absehbar.

Maßnahmen:

  • Umsetzung eines kommunalen Flächenressourcenmanagements mit dem Ziel, den Flächenverbrauch drastisch zu reduzieren
  • Schutz von wertvollen Ausgleichsflächen
  • kein Gifteinsatz auf ökologischen Vorrangflächen
  • Einhaltung einer vielfältigen mindestens dreigliedrigen Fruchtfolge auf den Äckern und Winterbedeckung der Böden
  • Maßnahmen zur Minimierung der Verdichtung des Unterbodens
  • Wissensvermittlung um den richtigen Umgang mit Böden in der land- und forstwirtschaftlichen Ausbildung

IV Eine Landwirtschaft nahe am Menschen: regional und ökologisch 

Wir rücken bäuerlicher Vielfalt, Lebensqualität, eine Landwirtschaft im Einklang mit Mensch, Natur und Tier in den Mittelpunkt unserer Politik. Bäuerliche Betriebe stehen im Gegensatz zu agrarindustriellen Fabriken für Qualität und Wertschöpfung in der Region. Um diese Verantwortung nicht in Selbstausbeutung und wirtschaftlichen Ruin der Betriebe enden zu lassen, müssen wir die ökonomischen Rahmenbedingungen so ändern, dass sich gesamtgesellschaftliche Leistungen von Bäuerinnen und Bauern wieder lohnen.

Höfesterben beenden
Unser Ziel ist es, die bäuerliche, nachhaltige Landwirtschaft zu retten, Vielfalt zu erhalten und dem Höfesterben endlich ein Ende zu setzen. Es ist höchste Zeit, dass sich Bäuerinnen und Bauern nicht mehr zwischen „Wachsen oder Weichen“ entscheiden müssen. Wenn wir jetzt nicht die richtigen Rahmenbedingungen setzen, wird der Strukturwandel die in Bayern noch vorhandenen bäuerlichen Strukturen zerstören. Leider zementiert die EU Agrarpolitik mit ihren Finanzierungsinstrumenten den fortschreitenden Strukturwandel und das Sterben bäuerlicher Betriebe. Wir fordern die Wiedereinführung der Deckelung der Direktzahlung für Großbetriebe und eine stärkere Umverteilung hin zu bäuerlichen Betrieben.
Das System der weltmarktorientierten Landwirtschaft, wie es derzeit praktiziert wird, zwingt die Landwirte oft zu überhöhten Investitionsentscheidungen und treibt sie damit in eine enorme Verschuldung ihrer Höfe. Immer mehr Bauernhöfe gehen insolvent, weil sie die Schuldenlast nicht mehr stemmen können.
Ein wichtiger Weg zum Erhalt einer Vielfalt von Betrieben ist die konsequente Unterstützung und der deutliche Ausbau des Ökolandbaus. Wir Grüne sehen darin den Zukunftsmarkt für die bayerische Landwirtschaft. Der Ökolandbau muss endlich aus der 7-Prozent-Nische heraus. Wir wollen eine Agrarwende, die ein ressourcen- und umweltschonendes Wirtschaften ermöglicht.

Faire Preise mit regionalen Wirtschaftskreisläufen – weg von der Weltmarktfixierung 
Die Industrialisierung und Exportorientierung der bayerischen Landwirtschaft nimmt immer weiter zu. Doch es ist der falsche Weg, der die Bäuerinnen und Bauern zu Verlierern macht. Es wird mehr an der Landwirtschaft verdient als mit der Landwirtschaft. Angefangen bei Saatgutherstellern über Spritzmittel-, Agrotechnik-, Kunstdüngerherstellern bis hin zur lebensmittelverarbeitenden Industrie, der Exportwirtschaft und Bodenspekulanten. Je spezialisierter ein Betrieb, umso abhängiger. Als Ergebnis stehen die Erzeugerpreise stark unter Druck. Die Gewinne der Landwirte werden ausschließlich über Masse gemacht. Dieser Preiskampf um immer billigere Nahrungsmittelrohstoffe ist die wesentliche Triebfeder für die Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft. Den Export-Wettlauf, mit dem beispielsweise unsere Milch auf dem Weltmarkt zum Ramschprodukt verkommt, können die bayerischen Landwirtinnen und Landwirte nur verlieren. Wir fordern daher Maßnahmen, die es den Milchbauern ermöglichen, tiergerecht, umweltfreundlich und qualitativ hochwertige Milch zu produzieren und dafür einen fairen Preis zu erwirtschaften. Um den fallenden Milchpreisen entgegenzuwirken, brauchen wir Steuerungsinstrumente wie ein Bonussystem für die Milchmengenreduzierung.

Wenn wir nicht handeln, geht der Zwang, immer noch billiger zu produzieren, weiterhin zu Lasten der Umwelt, der Tiere und der Landwirte. Kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe gehen daran kaputt. Nicht nur bei uns in Bayern sondern auch weltweit. Mit dem amerikanisch-europäischen Freihandelsabkommen TTIP wird sich die Situation weiter verschärfen, denn mit billigen Fleischimporten aus den USA wird die bayerische Landwirtschaft noch stärker unter Druck geraten. Wir Grüne fordern den sofortigen Stopp von TTIP auf Grundlage des jetzigen Verhandlungsmandats, denn das Abkommen gefährdet unsere bäuerlichen Betriebe und führt zu einer Absenkung unserer Umwelt- und Verbraucherstandards.

Starke Regionen sind der richtige Weg 
Wir sind überzeugt: Die Stärkung der Regionen ist der richtige Weg für Bayern. Unser Land hat alle Voraussetzungen für eine umweltgerechte und regional verankerte Land- und Lebensmittelwirtschaft. Hochwertige Agrarprodukte, in der Region erzeugt und verarbeitet, halten die Wertschöpfung in Bayern. Die Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe sichert nicht nur den bayerischen Bäuerinnen und Bauern ihre Unabhängigkeit, sie sichert auch die Qualität in der Lebensmittelerzeugung. Die fortschreitende Industrialisierung der Landwirtschaft, begleitet vom Höfesterben, hat zu einer erheblichen Schwächung der ländlichen Räume geführt – so mussten in den letzten 35 Jahren über 180.000 meist kleinere landwirtschaftliche Betriebe aufgeben und alleine in den letzten 15 Jahren ist jeder vierte Arbeitsplatz in der Landwirtschaft verschwunden. Diesen Trend wollen wir Grüne umkehren. Zusammen mit Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben, Betrieben der Lebensmittelverarbeitung und -vermarktung, der Gastronomie, dem ländlichen Tourismus bilden Landwirtschaftsbetriebe Wirtschaftsstrukturen, die Werte schaffen und die Wertschöpfung in den Regionen halten. Eine gesunde eigenständige Regionalstruktur bietet weit mehr Arbeitsplätze als eine rationalisierte, exportorientierte, industrielle Landwirtschaft. Wir brauchen ein gezieltes Existenzförderungsprogramm für die das ländliche Lebensmittelhandwerk. Darüber hinaus soll Bayern gezielt Erzeugergemeinschaften unterstützen, die regionale Spezialitäten in marktrelevanten Mengen und Qualitäten anbieten. Es soll eine Landesinitiative zur Stärkung einer regionalen, ökologischen Esskultur in der Bayerischen Gastronomie und Hotellerie auf den Weg gebracht werden.

Maßnahmen:

  • Einrichtung eines Regionalprogramms zum Aus- und Aufbau notwendiger Verarbeitungs- und Vertriebsstrukturen landwirtschaftlicher ErzeugerInnen
  • Förderung von Investitionen in artgerechte Tierhaltungssysteme, Direktvermarktung und –verarbeitung und Umwelt- und Klimaschutz
  • Förderprogramm zur Umstellung von öffentlichen Kantinen und Großküchen auf regionales, biologisches Essen

Ökologische Landwirtschaft – mehr regionales Bio
Der ökologische Landbau ist die Form der Landwirtschaft, bei der ein verantwortungsvoller Umgang mit Tieren, der Schutz unserer natürlichen Ressourcen wie Grundwasser und Böden, Landschafts-pflege und der Erhalt der Artenvielfalt an erster Stelle stehen. Deshalb ist Ökolandbau unser Leitbild für eine nachhaltige Landwirtschaft. Und Bio boomt. Aber nicht bei den Bauern hierzulande. Während die Nachfrage nach Bioprodukten in Bayern in den letzten Jahren rasant angestiegen ist, stagnierte die ökologisch bewirtschaftete Fläche. Mit der Initiative BioRegio Bayern 2020 war die Staatsregierung 2013 angetreten, den Öko-Landbau in Bayern bis 2020 zu verdoppeln. Doch noch immer liegt der Anteil der Ökobauern im Freistaat bei nur 7% an der Anbaufläche, das ist viel zu wenig. Bayern ist ein Milchland, doch während die bayerische Landwirtschaft bei konventionell erzeugter Milch 178 Prozent des heimischen Bedarfs deckt – also einen großen Teil der Erzeugung auf dem Weltmarkt absetzen muss – liegt der Selbstversorgungsgrad bei Biomilch bei lediglich 68 Prozent. Mit dem Ende der Milchquote ist ein weiterer Preisverfall und damit eine existentielle Bedrohung für konventionell wirtschaftende Höfe eingetreten. Von nicht mal 30 Cent pro Liter Milch kann kein Bauer leben. Dagegen ist der Bedarf an Biomilch riesig und der Preis für die Bäuerinnen und Bauern fair und stabil. Diese Chance für mehr Bio in Bayern muss genutzt werden und die richtigen Rahmenbedingungen dafür müssen gesetzt werden. Wir sind davon überzeugt, dass wir in Bayern großartigen Möglichkeiten haben, die Bioprodukte selbst zu erzeugen, anstatt sie weiter importieren zu müssen. Deshalb wollen wir die Umstellung auf den ökologischen Landbau voranbringen und die Vermarktung regionaler Produkte stärken. Unser Ziel sind 20% ökologisch bewirtschaftete Flächen in Bayern bis 2020.

Bildungsoffensive ökologische Landwirtschaft 
Doch dafür braucht es neben den richtigen Fördermaßnahmen vor allem eine Bildungsoffensive für die ökologische Landwirtschaft. Fehlende Ausbildungsmöglichkeiten und damit fehlende Kenntnisse zur ökologischen Wirtschaftsweise dürften für viele junge, aber auch umstellungsinteressierte Landwirte wichtige Gründe sein, ihren Betrieb nicht ökologisch zu bewirtschaften. Wir begrüßen die Einführung des Studiengangs „Ökologische Landwirtschaft“ an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf zum Wintersemester 2015/16, sowie die Bildungsangebote für ökologischen Landbau und Tierhaltung an der Akademie Kringell. Diese Bildungsangebote müssen flächendeckend ausgebaut werden und verstärkt Einzug in die konventionellen Aus- und Weiterbildungseinrichtungen halten.
Maßnahmen:

  • Stärkere Förderung für Umstellungsbetriebe in den ersten 2 Jahren
  • Langfristige Absicherung der Förderung des ökologischen Landbaus
  • „Ökologische Landwirtschaft“ als attraktiven Studiengang verstetigen und das Angebot ausweiten
  • Anpassung der Lehrpläne aller landwirtschaftlichen Berufsschulen
  • Stärkung der Agrarforschung insbesondere im Hinblick auf die regionale/samenfeste Sortenzüchtung und Zweinutzungsrassen
  • Ernährungsberatung und Aufklärung über Lebensmittel-produktion und die Auswirkungen des Konsums tierischer Produkte an Kindergärten und Schulen

Öffentliche Gelder nur für öffentliche Leistung 
Wir finden es unsäglich, dass Milliarden von öffentlichen Geldern in die Agroindustrie gepumpt werden, unter deren negativen Auswirkungen wir alle leiden. Immer noch bekommen Großbetriebe einen unverhältnismäßig großen Anteil der Fördermittel. Diese falschen Anreize haben in den vergangenen Jahren die schädliche Intensivierung der Landwirtschaft massiv vorangetrieben und zum dramatischen Höfesterben beigetragen. Eine gerechtere Verteilung ist 2013 auf europäischer Ebene auch am Widerstand der deutschen Landwirtschaftsministerien Ilse Aigner gescheitert. Wir wollen eine Förderpraxis, die den Wandel zu einer modernen und nachhaltigen bäuerlichen Landwirtschaft einleitet. Neue Wege in der Landwirtschaft erfordern mutige Entscheidungen über Umverteilungen innerhalb des bisherigen Systems. Wir wollen, dass sich die Förderung künftig auf kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe konzentriert und nicht die Großen subventioniert. Öffentliche Gelder sollen nur für Leistungen gezahlt werden, von denen wir alle profitieren. Nur so können wir unsere Natur- und Kulturlandschaft effektiv schützen. Der Ökolandbau ist die nachhaltigste Form der Landwirtschaft. Deshalb ist er bei der Investitionsförderung deutlicher zu bevorzugen. Konventionelle Betriebe, die auf ihren Bauernhöfen nachhaltig wirtschaften, wollen wir ebenso unterstützen, denn nur gemeinsam kann uns der Umbau der Landwirtschaft gelingen.
Maßnahmen:

  • Umschichtung der Mittel der EU-Agrarförderung aus der ersten Säule (Direktzahlung) in eine starke zweite Säule
  • eine Umstellung der Ausgleichszahlungen aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds (ELER), so dass gewährleistet ist, dass nur noch Investitionen in besonders tiergerechte Tierhaltungen gefördert werden

Die Agrarwende selbst in die Hand nehmen
Wie bei der Energiewende kann die Agrarwende nur gemeinsam mit den Bürger*innen gelingen. In den letzten Jahren ist eine landwirtschaftspolitische Graswurzelbewegung entstanden, die zeigt, dass neue Ansätze und Initiativen erfolgreich sein können. Solche Ansätze sind z.B. Vermarktungsgenossenschaften und die solidarische Landwirtschaft. Dort werden die Lebensmittel nicht mehr über den Markt vertrieben, sondern fließen in einen eigenen, durchschaubaren Wirtschaftskreislauf, der von den Beteiligten mit organisiert und finanziert wird. Diese Strukturen wollen wir stärken, denn hier finden wir die Pioniere des Wandels, die sich schon auf den Weg gemacht haben, oft mit großem persönlichem Einsatz und finanziellem Risiko. Sie brauchen unsere politische Unterstützung.

 

Maßnahmen:

  • Förderung landwirtschaftspolitischer Graswurzelbewegungen

V Eine global gerechte Landwirtschaft 

Die industrielle Landwirtschaft, die auf Massentierhaltung, Import von Futtermitteln und Agrarexport basiert, hat enorme Auswirkungen auf die Ernährungssicherung und die Ernährungssouveränität in den Ländern des globalen Südens. Eine Welt ohne Hunger und Mangelernährung ist für uns Grüne ein zentrales Ziel. Agrarwende und der Kampf gegen Hunger und Mangelernährung weltweit gehören zusammen gedacht. Über Initiativen wie die German Food Partnership fördert die Bundesregierung unter fleißiger Mitwirkung der CSU-Minister die zunehmende Monopolisierung der Landwirtschaft. Egal ob Saatgut, Düngemittel oder Gifte, immer weniger Konzerne kontrollieren in immer größerem Maße den Agrarsektor. Das schadet sowohl bäuerlichen Betrieben in Bayern, die ökologisch produzieren möchten als auch Kleinbäuerinnen und Kleinbauern weltweit. Anstatt neue Abhängigkeiten zu schaffen, aus denen einige wenige Großkonzerne Profite schlagen, sollten wir bäuerliche Betriebe in Bayern und Kleinbäuerinnen und Kleinbauern weltweit stärken. Der Weltagrarbericht belegt auf alarmierende Weise: nur eine radikale Umkehr hin zur bäuerlichen Landwirtschaft kann die Welternährung langfristig sicherstellen.

Ressource Land 
Fruchtbarer Boden ist eine knappe Ressource. Soja-Plantagen und andere Monokulturen verdrängen weltweit lokale Kleinbauern. Ursache ist auch unser übermäßiger Fleischhunger. Außerdem werden Böden durch Überdüngung, falsche Anbauweisen und Gifteinsatz zerstört. Der Zugang zu landwirtschaftlich nutzbarem Land wird für die lokalen Kleinbauern weltweit zur Existenzfrage. Unser Überschuss (z.B. an Milch) in Bayern wird auf Kosten der Ressourcen und der Fläche in den Ländern des globalen Südens produziert, die den Menschen dort für den Anbau ihrer Lebensmittel fehlen. Unsere Art der Landwirtschaft und unsere Art der Ernährung tragen zum Hunger in der Welt bei und beschleunigen durch die fortschreitende Zerstörung der Savannen und der Regenwälder die Klimakrise. Wir Grünen stehen für eine global gerechte Landwirtschaft, für den Anbau von Futtermitteln auf eigenen Flächen statt massiver Futtermittelimporte und für ein faires Auskommen aller Bäuerinnen und Bauern – egal ob in Bayern oder Benin.

Klima schützen 
18 Prozent der durch den Menschen verursachten Treibhausgase werden in der Landwirtschaft erzeugt. Das ist mehr als durch den gesamten Verkehr weltweit. Einerseits produziert die industrielle Nutztierhaltung große Mengen der klimaschädlichen Gase Ammoniak und Methan, andererseits setzt die großflächige Urwaldabholzung für Futtersoja und Palmöl große Mengen an CO2 frei. Problematisch ist besonders die Massentierhaltung. Daher unterstützen wir die im UN Bericht 2010 formulierte Schlussfolgerung: „Ein Wechsel zu einer Ernährung mit deutlich weniger tierischen Produkten ist notwendig, um die Welt vor den schlimmsten Folgen des Klimawandels zu retten“.
Maßnahmen:

  • Anbau von Futtermitteln auf eigenen Flächen in Bayern statt massiver Futtermittelimporte aus Entwicklungsländern
  • Raus aus der landwirtschaftlichen Überschussproduktion in Bayern, Deutschland und Europa. Diese Überproduktion zerstört die Weltmarktpreise und damit die Einkommen der Kleinbäuer*innen
  • Ausbau der Bildung zum Erhalt des traditionellen Wissens in der Landwirtschaft
  • Förderung der Bekanntheit von Öko & Fair-Initiativen/Siegeln
  • Schutz und Verbreitung lokaler und sortenfester Samen sowie den Klimaregionen angepasste Tierrassen
  • Klimaschonend Essen als Bildungsaufgabe

Wir haben es in der Hand 
Wir Grünen sind davon überzeugt, dass es uns gelingen kann, die Wende zugunsten einer langfristig umwelt- und tiergerechten Landwirtschaft in die Wege zu leiten. Für den Erhalt der vielfältigen Kulturlandschaft im schönen Bayern brauchen wir eine nachhaltige Landwirtschaft mit tiergerechterer Tierhaltung. Große Teile der Bevölkerung unterstützen diese Ziele. Wir Grüne wollen sie in enger Abstimmung gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern erreichen. Bäuerliche Betriebe brauchen wieder eine echte Zukunftsperspektive und Entwicklungspfade jenseits der agroindustriellen Irrwege, ob im Haupt- oder im Nebenerwerb, in Einzelunternehmen oder als Genossenschaft organisiert. Dass die richtige politische Rahmensetzung eine gute Landwirtschaft bewirkt, zeigen unsere Landwirtschaftsminister*innen in den grün (mit-)regierten Bundesländern. Das muss auch der Weg für Bayern sein.
Für eine solche Neuausrichtung der Agrarpolitik sind engagierte politische Entscheidungen, umfassende Informationen und Überzeugungsarbeit bei allen Beteiligten notwendig. Wer, wenn nicht wir Grünen, sollte diesen Anspruch formulieren und Wege dorthin aufzeigen.