Nur faire Milchpreise retten Landwirte

Zur heutigen Demonstration vieler Milchviehhalter aus ganz Deutschland in München erklären die Landesvorsitzende der bayrischen Grünen, Sigi Hagl, und die agrarpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Gisela Sengl:

„Wir wollen faire Milchpreise haben und damit deutlich höhere als derzeit. Von 28 Cent und weniger für einen Liter Milch kann kein Landwirt leben“, betont Hagl. „Ohne eine Steuerung der Produktionsmenge von Milch werden wir nicht auskommen. Wir brauchen Programme zur Förderung einer bäuerlichen Milcherzeugung mit Weidehaltung. Wir müssen die Überproduktion stoppen und aufhören überflüssige Mengen von Milchpulver zu Schleuderpreisen weltweit zu verramschen“, so Hagl weiter. Deshalb unterstützen die bayerischen Grünen die Forderung der grünen Agrarminister nach Kriseninterventionsinstrumenten.

Hagl warnte aber auch den Handel davor, immer weiter an der Preisschraube zu drehen: „Die vier großen Lebensmittelketten betreiben eine aggressive Preispolitik und setzen die Erzeuger damit immer weiter unter Druck. Das kann auf Dauer nicht funktionieren!“

„Statt die Erschließung neuer Billigmärkte zu forcieren, sollte der CSU-Landwirtschaftsminister in die Qualitätsproduktion der bayerischen Milchbäuerinnen und –bauern investieren. Milch und Milchprodukte müssen wieder zu regionaltypischen Markenprodukten werden, dafür sind die Verbraucherinnen auch bereit, mehr zu bezahlen“, erklärte Gisela Sengl.

Bayern sei der wichtigste Milchproduzent in Deutschland. Doch die 34. 000 bayerischen Milchbäuerinnen und Milchbauern bangen wie viele ihrer Kollegen in Deutschland und Europa um ihre Existenz. Mit der dritten Milchpreiskrise in nur sechs Jahren steht ihnen das Wasser bis zum Hals. Gerade kleinere und mittlere Milchbetriebe kämpfen ums Überleben, denn Überproduktion und Schleuderpreise ruinieren sie. „Damit das Höfesterben endlich ein Ende hat, gilt es jetzt unsere Milchbauern vor der Wachstumsfalle zu bewahren. Während der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) schön längst erkannt haben, dass die Überproduktion gestoppt werden muss, schielen der Bauernverband und CSU nach wie vor ausschließlich auf neue Exportmärkte in Schwellen- und Entwicklungsländern. Damit treiben sie die Milchproduktion auf Kosten der kleinbäuerlichen Milchbetriebe mit fatalen Folgen weiter an“, erklärte Hagl.

Viele Milchbetriebe erhöhten verzweifelt ihre Produktion und beschleunigten den Preisverfall damit noch. Doch Export- und Weltmarktorientierung nutzen nur Großmolkereien und Agroindustrie und gingen zu Lasten der bäuerlichen Erzeuger. „Bayern ist aufgrund der Agrarstruktur extrem gut geeignet für Premium und Bio Produktion – und das hilft allen: die Bäuerinnen und Bauern erzielen bessere Preise, die Verbraucherinnen bekommen gesunde Lebensmittel und die Nitrat- und Phosphat belasteten Gewässer könnten endlich wieder aufatmen“, so Gisela Sengl