Pestizide haben auf ökologischen Vorrangflächen nichts verloren

Am 30. Mai 2017 stimmen die Abgeordneten des Landwirtschaftsausschusses des Europäischen Parlaments über den Vorschlag der EU-Kommission ab, wonach auf sogenannten „ökologischen Vorrangflächen“ (ÖVF) künftig keine Pestizide mehr eingesetzt werden dürfen. Die Abgeordneten Albert Deß (CSU) und John Agnew (UKIP, Großbritannien) haben eine Resolution gegen den Vorschlag der EU-Kommission vorgelegt. Geht es nach ihnen, soll der Pestizideinsatz weiterhin erlaubt bleiben.

Maria Heubuch, Mitglied im Landwirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments, kommentiert:

Sinn und Zweck der ökologischen Vorrangflächen ist, wie der Name schon sagt, der Schutz der Natur und der Artenvielfalt. Doch bei der letzten Agrarreform hat die Pestizidlobby ihr ganzes Gewicht in den Ring geworfen, damit selbst auf diesen Flächen weiterhin Pestizide versprüht werden dürfen.

Die Bürgerinnen und Bürger haben immer weniger Verständnis für ein solches rückwärtsgewandtes Verhalten. Das zeigen die hohe Beteiligung an der Bürgerinitiative gegen Glyphosat und die Debatten rund um hormonwirksame und bienenschädliche Pestizide. Ich fordere meine Kolleginnen und Kollegen im Agrarausschuss dringend auf, am Dienstag für die Artenvielfalt, für die Bienen und für die Zukunft der Landwirtschaft zu stimmen – und gegen den rückwärtsgewandten Vorschlag des Abgeordneten Albert Deß, dem der Umweltschutz offensichtlich egal ist.

Die bayerische Landesvorsitzende der Grünen, Sigi Hagl, ergänzt:

Giftige Pestizide auf ökologischen Vorrangflächen verbietet eigentlich schon der gesunde Menschenverstand. Doch um die Interessen der Agrochemiekonzerne auch hier durchzusetzen, ist sich die CSU nicht zu schade, mit der rechtspopulistischen, europafeindlichen UKIP-Partei gemeinsame Sache zu machen.

Mit dem Versuch, das Pestizidverbot zu stoppen, scheiterte bereits CSU-Agrarminister Christian Schmidt im Bundeskabinett. Nun soll sein Parteikollege Albert Deß die Entscheidung durchdrücken – wider der Interessen der Bürgerinnen und Bürger und dem Schutz der Natur. Wir Grüne setzen uns für den Erhalt der Vielfalt von Pflanzen und Tieren und fordern vom Agrarausschuss ein klares Nein zum CSU-Antrag.

Die ökologischen Vorrangflächen waren während der letzten Agrarreform eingeführt worden und gelten für Betriebe mit mindestens 15 Hektar Ackerfläche, die fünf Prozent als ÖVF bewirtschaften müssen.