Stadtwald München

Etwa 20 Personen fanden am Samstag, den 30. April 2016, den Weg nach Gauting, um sich über naturgemäßen Waldumbau im Gebiet „Forst Kasten“ zu informieren. Eingeladen hatte die Landesarbeitsgemeinschaft „Land und Leben“ der Grünen in Bayern. Organisiert wurde der „Forstpolitische Begang“ federführend durch Gerhard Waas durch den Arbeitskreis Wald- und Forstwirtschaft. Birgit Raab, Sprecherin der LAG, begrüßte die Anwesenden.

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„Wir sind Speerspitze bei naturgemäßer Waldbewirtschaftung.“, sagte Axel Marquardt, Leiter des Kommunalreferats der Stadt München, der einen 5000 ha großen Wald im Eigentum der Stadt München verantwortet. Der Wald ist auf mehrere Standorte verteilt und wird von dem ökologischen Anbauverband Naturland zertifiziert. Ein Teil davon ist der Stiftungswald Forst Kasten mit etwa 850 ha. Leitziel ist die Gewährleistung der Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes auf höchstem ökologischen Standard. Ein weiteres wichtiges Ziel ist der Trinkwasserschutz und die Vorsorge. Naturgemäße Waldbewirtschaftung heißt „ohne Kahlschlag“ und dafür „oft im Wald und punktueller Einschlag wo nötig“. Auf den Einsatz von Pestiziden wird im Naturland-zertifizierten Forstbetrieb komplett verzichtet.

Einfluss des Klimawandels

Die Klimakrise ist bereits im Stiftungswald Forst Kasten angekommen. Wie Revierförster Josef Wöhrle erläuterte, gibt es in der Münchner Schotterebene meterhohe Kiesschichten, die das Wasser durchlassen. Mit zunehmender Klimakrise werden extreme Dürresommer wie in 2015 immer häufiger. Wenn wochenlang kein Regen fällt, dann leiden die Bäume. Flachwurzelnden Baumarten wie die Fichte tut das extrem weh. „Wenn wir in 100 Jahren auch noch Wald haben wollen, dann müssen wir jetzt mit dem Pflanzen anderer Baumarten beginnen und alles versuchen, um den Wald zu erhalten.“ Eine große Aufgabe, da der Stiftwald Forst Kasten aus fast 95% Fichten bestand und erst langsam zu einem Mischwald umgestaltet wird.

Neben zunehmender Trockenheit in den Sommermonaten kommen Winterstürme hinzu – erst letztes Jahr hat der Sturm „Niklas“ die Bäume wie Streichhölzer umfallen lassen. Erschwerte Bedingungen für den Aufbau eines neuen Waldes – denn große Bäume schirmen natürlicherweise die kleinen Bäume als „Frostschutz“ ab und sorgen für ein ausgeglichenes Klima. Wenn sie nicht mehr da sind, gestaltet sich die Neuanpflanzung und das „Durchbringen“ der Pflanzen als extrem schwer.

Stadtwald_8Im Stadtwald München können die jungen Bäume von selbst wachsen. Eine kostenintensive Zäunung ist nicht nötig. Möglich wird dies durch eine Jagd nach ökologischen Gesichtspunkten. Im Münchner Stadtwald wird auf Rehwildfütterungen verzichtet. Da aber das Rehwild keine natürlichen Feinde mehr hat und bevorzugt die wichtigen Mischbaumarten Eiche, Buche und Tanne verbeißt, wäre ohne eine Rehwildbejagung der Waldumbau gefährdet.

Nutzen des Waldes muss gesichert werden

Markus Ganserer, MdL und forstpolitischer Sprecher der grünen Fraktion im bayerischen Landtag, betonte die gesamtgesellschaftlichen Funktionen des Waldes. Unsere Wälder liefern nicht nur den nachwachsenden Rohstoff Holz. Sie dienen dem Grundwasserschutz, sind Erholungsraum für uns Menschen, dienen im Umgriff von Ballungsräumen der Frischluftzufuhr und nicht zuletzt sind sie Lebensraum für eine Vielzahl von seltenen Tier- und Pflanzenarten. Der Umbau von Fichtenmonokulturen hin zu stabilen und naturgemäßen Mischbeständen ist enorm wichtig, damit unsere Wälder auch diese Funktionen erfüllen können. Waldumbau alleine wird aber nicht reichen. Wir müssen alles daran setzen, um die Klimakrise zu begrenzen.

Text: Birgit Raab

Weitere Infos:

Interview mit Axel Marquardt zu den Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes