Gegen Agrarfabriken, für Bauern

Auf Einladung der Grünen im Kreisverband Roth und in Begleitung der Kreisvorstandsmitglieder Monika Siebert-Vogt (Schwanstetten), Ursula Burkhardt (Spalt) und Christoph Leikam (Hilpoltstein) machte Sigi Hagl im Landkreis Roth kürzlich halt.

Dabei traf sie sich unter anderem mit dem Kreisvorsitzenden des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter Manfred Gilch. Er erläuterte das neu entwickelte Marktverantwortungsprogramm des BDM, das nach Wegfall der Milchquote zum 1. April einen Preisverfall verhindern soll. Grundidee ist eine kurzfristige Mengendeckelung seitens der Milcherzeuger, sobald von der EU –Monitoringstelle eine Marktkrise ausgerufen wird. Mit einer „Marktverantwortungsabgabe“ hafte jeder Hof selbst für seine Überproduktion, wenn er seine Milchmenge während einer Marktkrise trotzdem ausweite. Damit könnten zum einen die massiven Wertschöpfungsverluste begrenzt werden, die bei einem Milchpreisverfall in den ländlichen Räumen entstünden. Es würde zum anderen aber auch die übergroße Marktmacht der Handelsketten in solchen Marktphasen stark eingeschränkt werden. „Ein schlüssiges Konzept“, stellte Sigi Hagl fest und versprach, dieser Idee bei Grünen AgrarpolitikerInnen auch auf Bundesebene mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Weitere für beide Seiten wichtige Themen waren die geplante Düngeverordnung und die Direktzahlung nach kalkulatorischer Arbeitskraft. Insgesamt betonte die Grünen-Politikerin die gemeinsame Stoßrichtung von BDM und Grünen: Ablehnung der Weltmarktorientierung im Agrarsektor, Kampf um den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft. „Natürlich treten die Grünen für mehr ökologische Landwirtschaft ein. Aber unsere Gegner sind nicht konventionell arbeitende Bauern, sondern die Agrarindustrie“, unterstrich Sigi Hagl.

Einblick in die Landwirtschaft vor Ort erhielt Sigi Hagl beim Besuch des Hofes der Familie Winkler in Meckenlohe bei Roth, die neben der Landwirtschaft auch Gästezimmer vermieten und eine Direktvermarktung von Käse aus eigener Milch betreiben. Eine Zukunft in der Milchviehhaltung für ihren Hof sehen diese nicht: Die drei Kinder, alle schon junge Erwachsene, haben einen anderen Beruf erlernt.

In Schwanstetten besuchte Sigi Hagl „Unser Markt“, einen genossenschaftlich getragenen Dorfladen, der seit bald zwei Jahren existiert und zeigt, dass Dorfläden durchaus eine gute Alternative zu den großen Supermärkten in den Kreisstädten sein kann.

Den Abschluss bildete schließlich eine Betriebsbesichtigung bei Schnell’s Kürbiskerne in Kammerstein-Neppersreuth, einem Hof, der sich ausschließlich auf den Anbau und die Verarbeitung von Kürbissen spezialisiert hat. Auf mittlerweile 80 Hektar baut Landwirt Martin Schnell seine Kürbisse an, veredelt Kürbiskerne in unzähligen Varianten, kooperiert teilweise mit Bioland und betreibt die einzige Kürbiskernölpresse in Bayern. Darüber hinaus ist sein Hof auch für Interessierte und TouristInnen geöffnet.