Unternehmensdialog „Integration gelingt“

Ob in TV-Talkrunden oder beim Sonntagsbraten im Kreise der Familie – die Flüchtlingsthematik ist in den Mittelpunkt zahlreicher gesellschaftlicher Diskussionen gerückt. Dabei kommt immer wieder die Frage auf, wie die Integration der Geflüchteten gelingen kann. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer haben die Chancen und Potentiale gelingender Integration schon lange erkannt und schaffen die Voraussetzungen, um Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt und damit auch ein gutes Stück in die Gesellschaft integrieren zu können.gesamtsicht2

Auch der grüne Landesvorsitzende Eike Hallitzky sieht eine große Verantwortung und vor allem große Kompetenz für gelingende Integration bei den Unternehmen und begrüßte damit die Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Verbänden zum alljährlich stattfindenden grünen Unternehmensdialog.

Rede DriessenPeter Driessen, Hauptgeschäftsführer der IHK München und Oberbayern und Gastredner beim Unternehmensdialog, sieht großen Nachholbedarf bei der Erfassung der Qualifikationen und Abschlüsse, die Geflüchtete mitbringen, um eine zügige Integration in den deutschen Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Mit dem Ziel, das Angebot der Flüchtlinge an den Bedarf des Arbeitsmarktes anzunähern, bietet die IHK inzwischen umfassenden Informations- und Beratungsservice für Unternehmen sowie viele Fördermaßnahmen für Flüchtlinge an. Oberste Priorität hat dabei der Erwerb der Sprachkompetenz, der für Driessen die wichtigste Voraussetzung für gelingende Integration darstellt. Neben der Finanzierung integrativer Sprachkurse für IHK-Auszubildende ab September soll bis Ende des Jahres ein Kompetenzfeststellungstool entwickelt werden, um die Weiterbildungsangebote daraufhin individuell und bedarfsadäquat zu entwickeln. Desweiteren sollen bis 2017 bayernweit 17 Stellen für Integrationsberater an relevanten Schnittstellen des Unternehmens geschaffen werden; das Angebot zur Weiterbildung im interkulturellen Management für Mitarbeiter in Führungspositionen besteht bereits. Von der Politik fordert Driessen vor allem eines: Den sicheren Status für alle Flüchtlinge in Ausbildung und Beruf, auch für deren Planungssicherheit, ganz ohne Existenzängste.

„Die Motivation ist überdurchschnittlich hoch!“

Für die Landesvorsitzende Sigi Hagl ist klar: Die Bereitschaft der Geflüchteten, zu arbeiten und sich zu integrieren, ist groß, der Arbeitsmarkt ist aufnahmefähig. Meist mangelt es lediglich an den politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen, um Integration gelingen zu lassen. Neben der Schulbildung, beruflichen Qualifikationen und ebenso Berufserfahrung, die ein Großteil der hier ankommenden Flüchtlinge mitbringen, können sie insbesondere eine überdurchschnittliche Motivation vorweisen. Um hier ansetzen zu können, ist der Spracherwerb für Sigi Hagl das A und O:

Erstmal muss der Zugang zu Sprach- und Integrationskursen von Anfang an für alle Geflüchteten gewährleistet sein. Im zweiten Schritt sollte die Mehrsprachigkeit dann als Kompetenz miteinbezogen werden.

Zusätzlich bringt der Integrationsprozess aus unternehmerischer Sicht für beide Seiten Vorteile: Den Flüchtlingen wird Offenheit und ein Gefühl des Gebrauchtwerdens entgegengebracht, sodass sie sich zu einem selbstständigen und eigenbefähigten Teil der Gesellschaft entwickeln können. Andererseits erfährt das Unternehmen den Mehrwert, Vorurteile seitens der Belegschaft durch den direkten Kontakt mit den geflüchteten Menschen abbauen zu können.

„Die These von der Leitkultur funktioniert nicht“

Einigkeit unter Hagl, Hallitzky und Driessen bestand ebenso beim Thema der von der bayerischen Staatsregierung postulierten „Leitkultur“: Die deutsche Kultur befindet sich in ständigem Wandel, sie ist ein bewegliches Ziel. Deshalb funktioniert die These von der „Leitkultur“ nicht. Umso wichtiger ist die Umsetzung einer Integration mit dem Ziel einer vielfältigen und pluralistischen, nicht gleichgeschalteten und nicht einschränkenden Gesellschaft.

Diskussion Gruppe
Für die Gäste des Unternehmensdialogs „Integration gelingt“ stellte sich vor allem die Frage nach den Anstrengungen von staatlicher Seite, um die Integration sowohl arbeitsmarktbezogen als auch umfassend anzugehen. Dabei kamen unter anderem die Forderungen nach dem verstärkten Angebot von lerngerechten Wohnmöglichkeiten für Geflüchtete in Ausbildung und Studium sowie nach einem „bundesdeutschen runden Tisch“, der die verschiedenen Aspekte der Flüchtlingsthematik zu einer lösungsorientierten und umfassenden Herangehensweise zusammenführt.

Um die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt voranzutreiben, brauche es vor allem eine aktive staatliche Führungsrolle, so Eike Hallitzkys Fazit nach dem Treffen, man müsse aber ebenso das Engagement der bayerischen Unternehmen nutzen. Deshalb werde er auch weiterhin diesen Dialog suchen und mit Unternehmen – großen, kleinen und mittelständischen Betrieben – diskutieren.