Bedingungsloses Grundeinkommen

Wie stehst du zum Bedingungslosen Grundeinkommen bzw. zum grünen Grundeinkommen? Bist Du dafür, in Koalitionsverhandlungen ergänzend zu Schleswig-Holstein wissenschaftlich begleitete Versuche zum Grundeinkommen zu fordern?

Katharina Schulze: Ein super spannendes Thema und ich bin froh, dass die Debatte darüber stärker an Fahrt gewonnen hat. Die Digitalisierung verändert unsere Arbeitswelt massiv, wir müssen die Digitalisierung gestalten, damit wir nicht getrieben werden. Das Grundeinkommen könnte eine Option sein, wie man mit den Veränderungen umgeht. Jedoch verstehen bisher verschiedene Menschen verschiedene Dinge unter dem Grundeinkommen. Darum macht ein wissenschaftlich begleitetes Vorgehen auf jeden Fall Sinn.

Thomas Gehring: Menschen, die aus verschiedensten Gründen auf Unterstützung angewiesen sind, sollen diese ohne Schikanen oder Bloßstellung beantragen und erhalten können. Ob die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens dafür der richtige Weg ist, bezweifle ich derzeit noch. Viele Fragen müssen noch geklärt werden. Etwa die Höhe des Grundeinkommens, ob es dann ausreichend ist oder nicht, wer es bekommt, wie es dauerhaft finanziert und garantiert wird, aber auch, wie Menschen wieder Zugang zu Bildung oder Arbeit finden. Deshalb halte ich einen wissenschaftlichen Versuch zum Grundeinkommen in Bayern für richtig.

Ludwig Hartmann: Die Diskussion über das bedingungslose Grundeinkommen wird meist sehr ideologisch und unversöhnlich geführt. Wissenschaftliche Untersuchungen wie in Schleswig Holstein oder sehr konkrete Tests wie in Finnland sind deshalb die einzige Möglichkeit, volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Effekte des bedingungslosen Grundeinkommens zu simulieren. Die ersten Ergebnisse aus Finnland – den stresssenkenden Effekt bei den Teilnehmer*innen trotz eines relativ geringen Grundeinkommens von 560 Euro pro Monat – habe ich mit Interesse vernommen. Wenn in der Hochphase der digitalisierten Arbeitswelt mehr Menschen ohne Erwerbsbeschäftigung sein werden, müssen wir uns Gedanken machen, wie diese an der Wertschöpfung teilhaben können. Das Grundeinkommen ist ein Ansatz, dem ich aufgeschlossen gegenüberstehe.