Reduzierung des Flächenfraßes

Ich begrüße euer Anliegen zur Reduzierung des Flächenfraßes in Bayern grundsätzlich sehr. Allerdings: Wie wollt ihr sicherstellen, dass die Maßnahmen nicht dazu führen, dass Grundstückspreise noch stärker steigen als ohnehin schon? Schließlich soll ja auch die vielzitierte Mittelschicht noch eine Chance auf Wohneigentum haben.

Katharina Schulze: Wichtiger Punkt, bezahlbarer Wohnraum muss geschaffen und gleichzeitig unsere wertvolle Natur geschützt werden! Wir kämpfen beim Flächenfraß-Volksbegehren für eine gesetzliche Höchstgrenze von fünf Hektar Flächenverbrauch pro Tag. Damit kann natürlich weiter gebaut werden, auch viele Wohnungen und Häuser. Wenn wir 2,5 Hektar – also die Hälfte der Fläche, die weiter verbraucht werden kann – für den Wohnungsbau nutzen, können wir jährlich 120.000 neue Wohnungen bauen. Zum Vergleich: 54.000 waren es 2016. Nachverdichtung, Ausnutzung von Leerständen, Umwidmung von freien Gewerbeflächen, Gebäudeaufstockungen etc. sind in dieser Rechnung noch gar nicht berücksichtigt. Da ist also noch Luft nach oben!

Thomas Gehring: Der Anteil des Wohnungsbaus am Flächenverbrauch ist relativ gering. Es geht vor allem darum bei Gewerbe- und Verkehrsflächen einen sparsameren Umgang mit der Ressource „unversiegelte Fläche“ zu erreichen. Für den Wohnungsbau sind vor allem die Möglichkeiten der Innenverdichtung, etwa des Bauens in Baulücken, oder die Erhöhung von Gebäuden zu nutzen. Damit jüngere Familien sich Immobilien leisten können, sind „Einheimischen-Modelle“ oder auch Genossenschaftsprojekte, etwa für Mehrfamilienhäuser mit Eigentumswohnungen, in den Kommunen auf den Weg zu bringen.

Ludwig Hartmann: Um es klar zu sagen: Unser Volksbegehren wird diese Situation nicht verschärfen! Die Begrenzung lässt für den Wohnungsbau noch viel Luft nach oben. Beispielhaft durchgerechnet: In Ballungsräumen werden pro Hektar rund 130 Wohnungen gebaut. Wenn nur die Hälfte (2,5 ha) der 5 ha/Tag für den Bau neuer Wohnflächen verwendet wird, können wir zukünftig jährlich fast 120.000 Wohnungen bauen. Zum Vergleich: 2016 wurden in Bayern rund 54.000 Wohnungen gebaut. Die Ausnutzung von Leerständen und innerörtlichen Brachflächen, die Umwidmung von freien Gewerbeflächen oder Gebäudeaufstockungen sind in dieser Rechnung noch gar nicht berücksichtigt. Eben dies wollen wir mit unserem Volksbegehren fördern. Klar ist aber, dass die Wohnungsnot in den Ballungsräumen nicht mit Einfamilienhäusern gelöst werden kann. Wir müssen qualitativ nachverdichten. Es braucht bezahlbaren Wohnraum, doch es braucht auch Grün- und Freiflächen.