Wie misst man Wohlstand und Lebensqualität?

Die Wachstumsraten, die regelmäßig vor der Tagesschau als Erfolgsmeldungen verkündet werden, messen einseitig ökonomisches Wachstum, können aber Wohlstand und Lebensqualität nicht beschreiben. Deshalb brauchen wir echte Wohlstandsindikatoren, die genau das leisten. Dies war ein Fazit der Sitzung des Landesarbeitskreises Wirtschaft und Finanzen, bei dem Prof. Dr. Hans Diefenbacher von der Uni Heidelberg und Dr. Sascha Genders von der IHK Würzburg-Schweinfurt als Gastreferenten auftraten.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist in der Öffentlichkeit der zentrale Indikator für die Entwicklung der Volkswirtschaft. Das BIP hat den Anspruch, das Volkseinkommen zu messen, lässt dabei aber zentrale Parameter außer Acht. Beispielsweise geht die Reparatur entstandener Umweltschäden ins BIP ein – die zerstörte Umwelt wurde zuvor aber nicht abgezogen. An diesem Beispiel wird klar, dass zentrale Dinge, die die Lebensqualität der Menschen bestimmen, wie etwa eine intakte Umwelt, im BIP keine Rolle spielen. In der öffentlichen Debatte und in der Politik wird eine Steigerung des BIP aber mit einer Steigerung des Wohlstandes verwechselt.

Um dieses Manko zu beheben, lässt die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen künftig durch das Institut von Prof. Dr. Diefenbacher regelmäßig den Nationalen Wohlfahrtsindex erheben, so MdB Thomas Gambke. Konkrete Ergebnisse gibt es bereits für den regionalen Index, bezogen auf Bayern. MdL Thomas Mütze erläuterte die sich öffnende Schere zwischen Wachstum des BIP und gleichzeitigem Verlust an Lebensqualität.

Wohlfahrtsindex

Indikatoren beeinflussen die Politik maßgeblich, denn der politische Erfolg wird an der Entwicklung des Indikators gemessen. Da das BIP der meistbeachtete Indikator ist, verwundert es nicht, dass die Politik aktuell versucht, möglichst hohes Wachstum zu erzeugen.

Mehr vom Landesarbeitskreis Wirtschaft & Finanzen.