Dieses Jahr erlebten wir einen der heißesten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen: mehrere Hitzewellen, Wassermangel, verdorrte Böden, extreme Unwetter. Wir spüren bereits jetzt bei uns direkt vor der Haustüre und in der Wohnung die Folgen der Klimaerhitzung hautnah. Jetzt rächt sich, dass in den letzten Jahrzehnten ein Raubbau an unserer Natur stattgefunden hat: kaputte Wälder, begradigte Flüsse und Bäche, verschmutztes Grundwasser, verdichtete Böden, massiver Rückgang der Biodiversität. Zudem treiben die aktuellen Gesetzesänderungen der Merz-Bundesregierung und Söder-Staatsregierung den Abbau von Naturschutz und Klimaschutz weiter voran und werden uns Bürger*innen in weitere Krisen stürzen.
Und dabei ist uns doch klar: Nicht die Natur braucht uns. Wir Menschen brauchen die Natur! Wir brauchen die Natur als Grundlage für die Wirtschaft, denn mehr als die Hälfte der Unternehmen sind von einer intakten Natur und ausreichend Wasser abhängig. Wir brauchen die Natur für unsere Gesundheit, denn kühlende Wiesen, Auen und schattenspendende Bäume schaffen einen kühlenden Puffer bei Hitzewellen. Wir brauchen die Natur für soziale Gerechtigkeit und sozialen Frieden, denn gerade Menschen und Familien ohne Häuser mit Gärten sind auf grüne Wiesen, Parks und Bäume in ihrer Umgebung angewiesen. Wir alle brauchen die Artenvielfalt für gute Lebensmittel und eine intakte Natur für sauberes Trinkwasser. Und gerade aufgrund der Folgen der Klimaerhitzung brauchen wir widerstandsfähige und intakte Lebensräume. Die Natur ist unsere Lebensversicherung.
Darum setzen wir Grüne uns für eine starke und offensive Naturschutzpolitik gemeinsam mit einer ambitionierten Klimapolitik ein. Denn es sind unsere Lebensgrundlagen, auf denen alles aufbaut – die Gesundheit, die Wirtschaft, die soziale Gerechtigkeit.
Wir bayerische Grüne fordern daher:
- Klimaanpassung in Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen offensiv voranbringen und mit technischen und natürlichen Klimaanlagen ausstatten. Durch Neu- und Umbildung entsprechender Fördertöpfe werden die dafür nötigen finanziellen Mittel den Kommunen von Bund und Land zur Verfügung gestellt.
- Mehr grüne Infrastruktur: 1 Million Bäume zusätzlich für Bayern in den nächsten 5 Jahren in den Dörfern und Städten pflanzen.
- Auen, Wiesen, Flüsse und Bäche renaturieren, damit sich Biodiversität und Grundwasserpegel erholen können. Ein intakter Landschaftswasserhaushalt ist unsere beste Lebensversicherung. Damit schützen wir uns besser vor Hochwasser und vor Dürren. Dafür braucht es ausreichend Geld von der Bundesregierung und Staatsregierung.
- Den täglichen Flächenverbrauch von 8 Hektar massiv reduzieren und die Entsiegelung vorantreiben. Ab 2030 streben wir eine Flächenkreislaufwirtschaft an (Netto-Null-Strategie). Denn versiegelte Verkehrs-, Gewerbe- und Siedlungsflächen heizen sich bei hohen Temperaturen stark auf und verhindern das Versickern von Regen- und Hochwasser bei Starkregen.
- Gemeinwohlinteressen müssen Vorrang vor Einzelinteressen haben. Wir brauchen den Vorrang der Trinkwasserversorgung vor allen weiteren Nutzungen, wassersparende Methoden in der Industrie sowie Landwirtschaft und Notfallpläne für den Krisenfall (z.B. Alarmpläne für alle Gewässer).
- Wir brauchen ein ambitioniertes Moorschutz-Programm, in dem Wiedervernässungsziele verbindlich festgeschrieben sind, und das eine zur Erreichung dieser Ziele ausreichende Finanzierung bereitstellt. Ähnlich zu unseren Zielen bei der Flächenversiegelung muss eine weitere Degradierung von Mooren verhindert werden. Hierzu fordern wir verbindliche Wiedervernässungsziele. Bis 2030 sollen alle staatlichen Moorflächen (32.000 ha) in Bayern komplett in eine moorangepasste Nutzung umgewandelt oder renaturiert werden. Bis 2040 soll dies bei allen noch vorhandenen Mooren erreicht und die Wiedervernässung erfolgt sein.
- Wir fordern, dass die Klimaschutzpolitik und Energiewende ambitioniert weiterverfolgt werden. Die Merz-Bundesregierung und Söder-Staatsregierung müssen endlich ihre Blockadehaltung aufgeben.
- Die aktuellen Gesetzesänderungen der Staatsregierung und Bundesregierung hinsichtlich des Raubbaus an der Natur und des Misstrauensvotums gegenüber Umweltverbänden müssen rückgängig gemacht werden.
- Wir fordern, dass das Gesetz zur Rettung der Natur (Nature Restoration Law) zügig umgesetzt wird.
- Wir setzen uns dafür ein, dass die Nationale Wasserstrategie ambitioniert umgesetzt und weiterentwickelt wird, und dass das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz dauerhaft und mit zusätzlichen finanziellen Mitteln ausgestattet wird.
- Wir wollen einen Mitmach-Naturschutz und die Bürger*innen befähigen, sich gemeinsam vor Ort gegen die Klimafolgen zu wappnen und Naturschutz in den Dörfern, Städten und im ländlichen Raum umzusetzen. Dafür brauchen wir neben einer Informationskampagne eine Beschleunigungsoffensive mit einfacheren Gesetzen, Planungen und Förderungen für eine schnelle Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen.
Beschlossen auf der Landesdelegiertenkonferenz 2026 in Landshut.